Die letzten Tage von Westberlin sind angebrochen. Allerdings merkt davon niemand etwas, jedenfalls nicht in Zehlendorf, jenem Teil der Stadt, »wo die Gärten so groß sind, dass man seine Nachbarn nicht sieht«. Dort bewohnt der siebzehnjährige Gustav zusammen mit seiner Großmutter ein Haus namens Fischtal, inmitten einer Gesellschaft, deren größte Sorge es zu sein scheint, dass die Putzfrau heimlich das Konfekt isst, und deren Wohnzimmer von den merkwürdigsten Gestalten bevölkert
werden. An denen herrscht auch in seiner eigenen weitverzweigten Verwandtschaft kein Mangel.
Als die Großmutter Jahre später stirbt, kehrt Gustav zur »Sichtung der Erbmasse« ins Fischtal zurück. In den verfallenden Kulissen längst vergangener Tage entsinnt er sich seiner Familie und einer Welt, in der kühler Realitätssinn, glatte Oberfläche und puritanische Sittenstrenge gepredigt werden, in der man über andere Menschen streng Gericht hält – dabei in der krokodilledernen Handtasche stets griffbereit: der silberne Flachmann und die Pillendose von Cartier.
»Mit stupendem Wortreichtum wird vom jungen Mann Gustav erzählt, der ausgerechnet für seine Gefühle keine Worte findet; mit klirrend kaltem Witz wird eine große Wärme verkleidet. Fischtal kommt als exakter Obduktionsbericht eines Milieus daher und ist schon deswegen lesenswert. Tatsächlich aber schreibt Tingler ein Buch der Trauer.«
Wieland Freund, Die Welt
»Ein äusserst gelungenes Werk!«
Elise Fritze, Trierischer Volksfreund
Philipp Tingler hat seinen Roman bereits vor Erscheinen selbst verfilmt.
Weitere Informationen zu Philipp Tingler finden Sie auf seiner Homepage www.philipptingler.com
Rezension von Brigitte Werneburg in der taz vom 30. November 2007