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Der grosse Manierentest: Überprüfen Sie Ihre Umgangsformen

1) Auf einem Stehempfang in der Villa Harteneck nähert sich Ihnen ein gefürchteter Langweiler und beginnt einen ausführlichenMonolog über seine erfolgreichen Investmentstrategien. Wie reagieren Sie?

A) Sie versuchen, den Herrn mit Ihren eigenen Investmenterfolgen zu übertrumpfen, in der Hoffnung, dass er dann verduftet.

B) Sie sprechen über klassische Literatur, inder Hoffnung, dass er dann verduftet.

C) Sie starren teilnahmslos in die Ferne, unterdrücken unvollkommen ein Gähnen und beginnen, sich zu kratzen.


 

2) Sie kaufen einen Fahrschein nach München am SBB-Expressschalter im Zürcher Hauptbahnhof. Nach der Transaktion werden Sie von der SBB-Schalter-Dame darüber belehrt, dass man den Expressschalter eigentlich nur benützen dürfe, wenn man am selben Tag noch verreisen wolle. Sie drehen sich um und stellen fest, dass sich hinter Ihnen eine ziemliche Schlange aufgebaut hat, die der gleichen Meinung ist. Was tun Sie?

A) Sie sagen (wahrheitsgemäß): „Ohh, verzeihen Sie, das wusste ich nicht.“

B) Sie versuchen, die Menschen in der Schlange diskursiv davon zu überzeugen, dass es für die Dauer der Transaktion keinen Unterschied mache, ob jemand sein Billet für denselben Tag oder für einen anderen Tag kaufe.

C) Sie erklären der Schlange freundlich lächelnd, dass Sie halt immer eine Extrawurst brauchen.


 

3) Welche Dinge sollte man in Gesellschaft niemals vortäuschen?

A) Interesse für Hedge Fonds. Weil man sich dann langweiliges Gerede anhören muss.

B) Kennerschaft für Wein. Weil man dann selbst langweilig wirkt. Nichts schreit lauter Verlierer als irgendsoein Depp mit Fliege, der erklärt, der Tropfen hätte im Abgang einen Hauch von Schokolade, was an den wurzelechten Reben läge.

C) Sympathie für Leute, die einem egal sind.


 

4) Sie stehen auf einer Ausstellungseröffnung im ehemaligen Postfuhramt in Berlin Mitte zwischen drei Herren, die Sie bloß flüchtig kennen. Wie erhalten Sie die Unterhaltung aufrecht?

A) Indem Sie sich anerkennend über Details der Garderobe eines der Herren äußern und sich erkundigen, wo er dies und das her hat.

B) Indem Sie mit einer einfachen Frage beginnen (zum Beispiel: „Was halten Sie von den Räumen hier?“) und dann einfach aus jeder Antwort eine neue Frage ableiten.

C) Indem Sie beginnen, Ihre zu niedrige Spermienzahl zu diskutieren. Bzw., falls Sie eine Frau sind: Welche Klingeltöne Sie sich gerade runtergeladen haben.


 

5) Bei einer Gartenparty in Küsnacht am Zürichsee verschüttet der Sprössling des Gastgebers seinen Himbeersaft über Ihr brandneues Vera-Wang-Cocktailkleid / Ihre brandneuen Emporio-Armeehosen. Sie reagieren, indem Sie ...

A) ... den Vorfall so gut wie möglich ignorieren.

B) ... zur daneben stehenden Mutter sagen: „Zum Glück hat meine Reinigung gerade Obst-Wochen!“

C) ... den Sprössling anherrschen mit den Worten: „Weißt du eigentlich, was das gekostet hat, du dumme Göre?!“

 

 

6) Auf einem Stehempfang der Ian-Fleming-Foundation zu Ehren von Ursula Andress läuft Ihnen zufällig eine alte Bekanntschaft über den Weg, die offensichtlich vor kurzem ein Face Lifting hinter sich gebracht hat. Sie sagen:

A) „Joan, du siehst so erholt aus, warst du in den Ferien?“

B) „Ach du liebe Zeit, ich habe dich gar nicht erkannt!“

C) „Guten Abend.“

 

 

7) An einem Donnerstag Abend im Nachtclub Raffles sehen Sie Annies Verlobten Bert ekstatisch auf dem Tisch tanzen, und zwar mit einer sehr nachlässig gekleideten jungen Dame, die aussieht wie Tara Reid an einem schlechten Tag. Was tun Sie?

A) Sie unternehmen diskrete Erkundigungen bei gemeinsamen Freunden, bevor Sie sich auf eine Reaktion festlegen.

B) Sie machen eine mentale Notiz, führen aber Berts Verhalten (was Sie im Übrigen ebenso missbilligen wie auch schon selbst an den Tag gelegt haben) auf Alkoholeinfluss zurück und halten sich da raus.

C) Sie machen augenblicklich ein Photo mit Ihrem Mobiltelefon und schicken es an Annie (und auch gleich noch an ein paar andere Leute, vor allem Ihre klatschsüchtige beste Freundin Lorraine). Das wird Bert eine Lehre sein!

 

 

8) Sinn von Manieren ist es ...

A) ... den eigenen gesellschaftlichenAufstieg zu fördern.

B) ... seinen Mitgeschöpfen so wenig Unbill und Peinlichkeiten wie möglich zuzumuten.

C) ... anderen eine hohe Meinung von sich beizubringen.

 

 

9) Sie sind ganz verrückt danach, Ihren Freunden Felix und Regula deren großartige bolivianische Putzfrau Immaculada auszuspannen. Wie gehen Sie vor?

A) Sie lauern Immaculada vor Felix’ und Regulas Haustür auf und machen ihr ein Angebot, das sie unmöglich ablehnen kann, weil es ungefähr dem Einkommen des bolivianischen Staatsoberhauptes entspricht.

B) Sie bitten Felix und Regula, es Sie wissen zu lassen, wenn Immaculada jemals frei werden sollte.

C) Sie erklären Felix und Regula, es sei Krieg und Sie würden Immaculada das Doppelte bieten.

 

 

10) An einem der beliebten Get-Perlonized-Abendein der Panoramabar treffen Sie auf Ihren Bekannten Ronnie, zu dessen pompöser Geburtstagsparty im Hotel Drei Könige in Basel wenige Tage zuvor Sie nicht eingeladen waren. Sie benehmen sich wie folgt:

A) Sie begrüßen Ronnie und weisen direkt anschließend darauf hin, dass Sie von vielen Seiten gehört haben, dass seine Geburtstagsparty absolut umwerfend gewesen sei.

B) Sie begrüßen Ronnie gut hörbar mit den Worten „Hallo, Judas!“, bevor Sie ihn zur Rede stellen, wobei Sie einige Passanten in die Auseinandersetzung miteinbeziehen.

C) Sie begrüßen Ronnie und erwähnen die Partymit keinem Wort.


 

11) Bei einer von Ihnen veranstalteten Dinnerparty klingelt andauernd das Mobiltelephon Ihrer Freundin Susie Green. Sie reagieren, indem Sie

A) dafür sorgen, dass der Volumenpegel der Hintergrundmusik erhöht wird.

B) die Sache ignorieren.

C) Susie bitten, wenigstens ihren Klingeltonvom „Birdie Song“ auf „New York, New York“ umzustellen.

 

 

12) Vor dem Flughafen Genf-Cointrin wollen Sie soeben in ein Taxi steigen, als Sie neben sich zwei Nonnen bemerken, die ebenfalls besagtes Taxi anstreben. Was tun Sie?

A) Sie überlassen den Nonnen das Taxi, richten den Blick gen Himmel und murmeln: „Dafür schuldest Du mir was!“

B) Sie halten den Nonnen die Tür zum Fond desTaxis auf.

C) Sie bekreuzigen sich und springen ins Taxi.

 

 

13) Bei einem Charity Dinner zugunsten des Berliner Aquariums im Restaurant „San Nicci“ entdecken Sie, dass man Sie an einem schlechten Tisch und obendrein neben einem notorischen Langweiler platziert hat. Wie reagieren Sie?

A) Sie erklären dem Maître, dass Sie aufgrundeines Zugluftasthmas nicht so nahe am Ausgang sitzen dürften.

B) Sie finden sich mit Ihrem Platz ab und schwören heimlich Rache.

C) Sie tauschen die Platzkarten aus, so dass Sie neben Miss Mecklenburg-Vorpommern sitzen.


 

14) Am Rande der Zürcher Street Parade kommt eine wildfremde Stuttgarterin namens Mandy auf Sie zu und bittet Sie, Ihr den Rücken mit Sonnenschutzmittel einzucrèmen. Wie antworten Sie?

A) Sie behaupten, gegen Sonnencrèmeallergisch zu sein.

B) Leise seufzend crèmen Sie Mandy ein und hoffen, dies Bild wieder verdrängen zu können.

C) Mit den Worten: „Eher friert die Hölle zu, Mandy!“

 

 

15) An einem Ihrer populären zweiwöchentlichen Bridge-&-Cocktail-Abende passiert es, dass Ihre bereits leicht angetrunkene Freundin Luella über Marcel Proust redet und dessen Titel „A la recherche du temps perdu“ völlig falsch ausspricht. Wie verhalten Sie sich?

A) Sie lächeln anmutig und beschließen, die arme Luella später unter vier Augen über die richtige Aussprache aufzuklären.

B) Sie übergehen den Vorfall und schenken Luella einen frischen Screwdriver ein.

C) Sie empfehlen Luella, Proust vielleicht lieber auf Deutsch zu lesen.



16) Im Foyer des Splendide-Hotels in Lugano läuft Ihnen zufällig ein Ihnen flüchtig bekannter Waffenhändler über den Weg, dessen Name Ihnen entfallen ist. Was tun Sie?

A) Sie tun so, als sei Ihnen was runtergefallen, um beim Hinknien unauffällig nach einem Namensschildchen an seinem Louis-Vuitton-Aktenkoffer Ausschau zu halten.

B) Sie geben zu, dass die vier Gläser Louis Roederer zum Frühstück Ihnen ein wenig zu Kopf gestiegen sind und Sie augenblicklich an sozialer Amnesie leiden.

C) Sie reden den Waffenhändler konsequent mit„Ali“ an.


Auflösung:

1) B, 2) A (in diesem Fall ist die Wahrheit ausnahmsweise mal der richtige Weg), 3) B, 4) B, 5) A (auch hier zeigt sich wieder eines der elementarsten Gesetze der Etikette: Wenn mal was schief gegangen ist, nichts anmerken lassen und lächeln - lächenln - lächeln wie eine Nonne mit Gehirnerschütterung!), 6) C, 7) B, 8) B, 9) B (am effektivsten: A. Hier zeigt sich der klassische Konflikt zwischen gepflegter Umgangsform und ökonomischer Effizienz). 10) C, 11) C (Üblicherweise ist zwar bei einem Fauxpas Ignorieren die beste Strategie, aber bei einem gleichzeitig so offenkundigen wie belanglosen Ausrutscher wirkt ein heiterer kleiner Kommentar entspannender für alle Beteiligten. Wir sind ja nicht auf Schloss Drottningholm), 12) B (für Mutige: A), 13) B (aber ohne Racheschwüre), 14) A (bei Zumutungen sind nicht-verletzende Ausflüchte vollkommen zulässig), 15) B, 16) B

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