Das Kapital bin ich. Meine Daten gehören mir

Das Kapital bin ich. Meine Daten gehören mir

Hannes Grassegger

Daten sind die wertvollste, mächtigste und gefährlichste Ressource unserer Zeit – und sie gehören Ihnen. Stellen Sie sich vor, Sie könnten selbst entscheiden über Ihr digitalisiertes Leben.

 

Unsere Daten machen wenige Unternehmen unverschämt reich. Doch wir als Lieferanten gehen bei dem Riesengeschäft leer aus. Es ist an der Zeit, dass wir angemessen entlohnt werden. Wenn unsere Daten schon einen Marktwert haben, dann muss der Profit uns gehören.

Format

  • Hannes Grassegger – Das Kapital bin ich. Meine Daten gehören mir

    Taschenbuch
    Format: 11,6 x 18,5 cm , 96 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-5791-3

    10. Juli 2018
    8,00 EUR

  • Hannes Grassegger – Das Kapital bin ich. Meine Daten gehören mir

    eBook
    96 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-9402-4

    10. Juli 2018
    7,99 EUR

Leseprobe

PROLOG

An alle Loser

»The fact is, that civilization requires slaves.«

OSCAR WILDE

 

Alle Techniken verbessern sich im Laufe der Zeit. So auch die Praxis der Ernährung durch andere. Was über die Sklaverei in die Leibeigenschaft und dann in die Sweatshops des 20. Jahrhunderts führte, hat soeben eine neue Ebene erreicht.

Es spritzt kein Blut. Niemand frisst hier mehr des anderen Fleisch, niemand peitscht den Nächsten. Wer hat schon Zeit, den Zehnten einzutreiben? Nur die Trotzigen, die Dummen und die Langsamen streben noch nach Weizen und Gold. Es gibt so viel Kostbareres. Im Raum steht das Versprechen auf ein Vermögen, welches so unfassbar groß ist, dass schon seine Vorzeichen, seine ersten zarten Blüten die größten Reichtümer der Menschheitsgeschichte hervorgebracht haben.

Daten sind das neue Erdöl. Materie ist nichts. Die alte Prophezeiung eines postindustriellen Zeitalters hat sich erfüllt. Wenn jemals auf Detroits Trümmern wieder Fabriken stehen sollten, dann werden dort Roboter arbeiten. Die Menschen werden für anderes gebraucht.

Als in der Serie Game of Thrones Khaleesi, die Regentin eines Stammes von Barbaren, die all ihre Probleme mit Muskelkraft lösen, die reichste Stadt der Welt einnimmt – interessanterweise eine Wüstenenklave ohne natürliche Einkommensquelle –, zwingt sie den reichsten Mann dieser Stadt, seine Schatzkammer zu öffnen. Schwere Stahltore gehen auf. Die Augen der Barbaren weiten sich. In der Schatzkammer ist – nichts. Der reichste Mensch der Welt lächelt.

Wir sind so lange Barbaren, bis wir verstehen, dass der Schatz des reichsten Mannes der Welt nicht hinter dieser Stahltür lag, sondern in unseren Erwartungen und Hoffnungen. Auch wir versuchen noch zu verstehen, wie Facebook & Co solchen Reichtum erlangten. Ein winziges Grüpplein hat sich in kürzester Zeit unseres Schatzes bemächtigt. Sie haben sich geschnappt, was die Barbaren noch nicht sehen konnten, sie haben sich gut davon ernährt und sind blitzschnell zu solch riesenhafter Größe gewachsen, dass ihr Appetit unermesslich geworden ist. Jetzt wollen sie sich die Welt einverleiben. Es ist ein entscheidender Moment. Es geht alles so schnell. »Unsere Blindheit und die gleichzeitige Benommenheit machen die heutige Krise aus«, sagt Byung-Chul Han.

 

Ja, wir waren blind und benommen. Blinzelnd erkennen wir das Licht der neuen Welt. Aber jetzt müssen wir schnell handeln. Denn wenn wir jetzt nicht verteidigen, was uns gehört, werden wir für lange Zeit in Digitaler Leibeigenschaft dahinvegetieren. In einer Leibeigenschaft, die nicht auf unsere Körper, sondern auf unsere Gedanken und Gefühle abzielt. Wir sind mit Maschinen verknüpft und verlieren dabei die Souveränität über Geist und Körper. Eines Tages könnte eine Unsicherheit über unsere eigene Essenz zur unzerschlagbaren Fessel werden, an die wir für immer gekettet bleiben.

Doch dieser Text ist nicht der so oft gehörte Aufruf zum Rückzug in die Privatsphäre oder internetfreien Räume. Sondern ein Aufruf zum Aufbruch in eine Welt, in der wir das Vermögen, das wir in uns tragen, für uns erschließen. Eine ganz neue Form des Besitzes, von dessen Existenz die meisten Ökonomen lange keine Ahnung hatten, ist entstanden. Ein riesiges Kapital, das uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnen wird.

Wenn wir ergreifen, was unser ist, sehen wir einer blühenden Zukunft entgegen.

Doch um zuzugreifen, müssen wir zuerst unsere Blindheit kurieren. Nur so können wir diese elende Benommenheit beenden: Wir müssen die neue Welt erkennen lernen.

Autor

HANNES GRASSEGGER, geboren 1980, studierte Ökonomie in Berlin und Zürich. Seine Texte über das Leben im Digitalen Kapitalismus erscheinen unter anderem in der NZZ, dem ZEIT-Magazin, bei REPORTAGEN und dem Magazin der Süddeutschen Zeitung. Zuletzt sorgte sein Artikel über Cambridge Analytica (gemeins [...]

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Presse

Der Tagesspiegel

»Dieser Essay hat nichts von seiner Dringlichkeit verloren. Er scheint geradezu noch dringlicher geworden zu sein.«