Der Goalie bin ich

Der Goalie bin ich

Pedro Lenz

Eine Außenseiter-, Aussteiger- und Liebesgeschichte, die mitten ins Herz zielt

Der Goalie ist anders. Anders als die ganzen Kneipenhocker und Grämmchendealer in seinem Heimatdorf. Und doch war er es, der für ein Jahr ins Gefängnis musste. Ein Sündenbock. Ein Querdenker, und plötzlich wieder mittendrin im Leben. Von der wieder erlangten Freiheit verlangt er nicht viel: einen festen Job, ab und zu ein Glas Rotwein und reden dürfen, wie ihm der Mund gewachsen ist. Und vielleicht, dass sich die Kellnerin Regi, das Zentralgestirn seiner Träume, endlich auch in ihn verliebt. Als Regi Probleme mit ihrem Freund bekommt und mit dem Goalie eine Reise nach Spanien antritt, scheint sein Glück zum Greifen nah.

Format

  • Pedro Lenz – Der Goalie bin ich
    Roman

    Original: Der Goalie bin ig

    Aus dem Schweizerdeutschen von Raphael Urweider
    Taschenbuch
    Format: 11,9 x 18,6 cm , 208 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-5918-4

    11,00 EUR

  • Pedro Lenz – Der Goalie bin ich
    Roman

    Original: Der Goalie bin ig

    Aus dem Schweizerdeutschen von Raphael Urweider
    eBook
    208 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-9289-1

    10,99 EUR

Leseprobe

1.

Angefangen hat es eigentlich viel früher. Geradeso gut kann ich aber auch behaupten, es hat an diesem einen Abend angefangen, ein paar Tage, nachdem ich aus Witz zurück war.
Ungefähr zehn, vielleicht halb elf. Spielt keine Rolle. Auf alle Fälle ein saukalter, beißender Wind. Schummertal. November. Und mein Herz so triefend schwer wie ein alter, feuchter Lappen.
Ich also ins Maison auf einen Kaffee mit Schuss.
Die Knastrente war schon verjubelt, ohne dass ich wusste, wo und wie. Ich also ohne Kohle damals, aber dringend einen Kaffee mit Schuss nötig, ein wenig Gesellschaft und ein paar Stimmen.
Wie gesagt, nichts in der Tasche außer ein paar Zigaretten und ein paar Münzen. Ein Engpass halt, aber ein ziemlich enger. Wartete auf was, das mir einer noch schuldete. Sag mal jemandem, wenn du gerade aus dem Loch raus bist, jemand schulde dir noch ziemlich viel Kohle, doch seist du gerade nicht besonders flüssig. Das interessiert so keine Sau.
Eben, ich also ins Maison, bestelle einen Kaffee mit Schuss, da fragt mich die Regula, ob ich bezahlen könne.
Keine so schlechte Frage, zugegeben.
Mach keine Geschichten, Regi, sei so gut, bring ihn erst mal, so ich zu ihr, dann schauen wir weiter.
Bist ein ewiger Schwätzer, sagt sie und bringt ihn.
Hab’s nicht getippt, sagt sie, und schaut mich so an, weiß auch nicht genau, wie, anders als sonst, mit etwas mehr Sehnsucht in den Augen oder so ähnlich. Keine Ahnung, wie es anderen ergeht, aber mich wärmt so was bis ins Innerste, wenn mich eine Frau wie Regi so anschaut.
Danke, Regi, bist lieb. Bezahl’s dir mit Beten zurück.
Ich solle aufhören mit den ewigen Sprüchen und mich vor allem nicht daran gewöhnen, sagt sie, weil wenn Pesche erfährt, dass ich diesen Kaffee Schnaps nicht getippt habe, gibt’s ernsthafte Probleme. Ich wisse ja selbst, wie Pesche sein könne.
Die ist einfach eins a, die Regula, die muss man loben, die schaut zu unsereiner, sagt sich einfach mal, das tipp ich jetzt nicht, das merkt ja wahrscheinlich keiner, und der Wirt, der Pesche, merkt es eh als Letzter, und der Goalie hat so seinen Kaffee mit Schuss und Schluss.
Mir war ja schon lange klar, dass Regula ein großes Herz hat. Aber an jenem Abend hat sie angefangen, mir auch in anderen Belangen zu gefallen.
Das ist ja im Grunde extrem komisch: Da kennst du eine Frau seit Jahren, und du denkst dir nicht viel, und plötzlich, mein Gott, plötzlich hat sie was. Ja, doch, plötzlich hat sie so was, so etwas, das dich nervös macht, plötzlich gefällt sie dir. Das soll begreifen, wer will. Ich hatte viele offene Fragen, ganz ehrlich. Aber an dem Abend interessierte mich mit einem Mal nur noch eine Frage brennend: Ist es wohl möglich, dass Regula und ich in diesem Leben einmal ein Paar werden?
Du, Regula, so ich zu ihr, könnte ich dich um einen kleinen Gefallen bitten? Könntest du bis Montag einen Fünfziger entbehren? Weißt, jemand schuldet mir noch ziemlich viel Kohle, aber gegenwärtig hab ich nichts in der Tasche, ein Problem mit der imaginären Erfolgsrechnung, du verstehst, was ich meine.
Wieder schaut sie mich so an. Ich hätte mich wohl gar nicht verändert in Witzwil, sagt sie, und dass man nicht meinen könne, ich hätte fast ein Jahr dort verbracht, weil wenn man mir so zuhöre, sei ich noch immer haargenau der gleiche Schwadronierer wie früher.
Mach keine Geschichten, Regi. Davon hast du keine Ahnung. Du weißt nichts über mich und nichts über Witzwil. Und das ist auch besser so. Kannst froh sein. Und wegen der Kohle: Ich will nicht betteln, bei dir schon gar nicht, du entscheidest, entweder du hast einen Fünfziger, oder wenn nicht, dann frag ich dich halt was anderes. Das wäre alles.
Sie hat mir dann den Fünfziger gegeben: gefaltet und kommentarlos in die Brusttasche gesteckt. Ich nahm ihre Hand, küsste die Innenseite ihres Arms und sagte, wenn du jetzt nicht arbeiten müsstest, würd ich dich glattweg mit nach Hause nehmen und in die Pfanne hauen, ich schwör’s, Regi, ich würde dich glücklich machen.
Ich sei wirklich ein blöder Schwätzer, so sie zu mir und lacht ein wenig, und ich lach auch ein wenig. War gut, wieder mal zu lachen, wirklich gut. Hatte nicht viel zu lachen gehabt in der letzten Zeit, wirklich nicht. 

Als der Schuss raus war aus dem Kaffee, ging ich rüber in den Spanier-Klub, schauen, ob es noch was zu essen gäbe. Und tatsächlich gab es noch was, obwohl es schon spät war. Paco machte mir Fisch und wärmte Reis. Das war genau das Richtige.
Wo ich gewesen sei, wollte er wissen. Hätte mich schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen ...

Autor

Pedro Lenz, geboren 1965, ist Dichter, Schriftsteller, Kolumnist und Mitglied des Bühnenprojekts Hohe Stirnen und der Spoken-Word-Gruppe Bern ist überall. Er schreibt auf Berndeutsch und hat bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht. Sein Roman Der Goalie bin ich gewann den Schillerpreis für Literatu [...]

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