Drei auf Reisen

Drei auf Reisen

David Nicholls

Eine Geschichte über die große Liebe – und wie man sie hoffentlich nicht verliert

Über zwanzig Jahre glückliche Ehe, und der Sohn zieht bald aus: der ideale Zeitpunkt für einen Neuanfang, so scheint es Connie. Ganz anders sieht das ihr Ehemann Douglas. Mit allen Mitteln versucht er, auf der bereits geplanten Reise durch Europa seine Ehe zu retten und seinem Sohn näherzukommen – eine kurvenreiche Tour d’ Amour durch alle Etappen einer Partnerschaft.

Format

  • David Nicholls – Drei auf Reisen
    Roman

    Original: Us

    Aus dem Englischen von Simone Jakob
    Hardcover
    Format: 12,7 x 19,0 cm , 544 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-5701-2

    22,90 EUR

  • David Nicholls – Drei auf Reisen
    Roman

    Original: Us

    Aus dem Englischen von Simone Jakob
    Taschenbuch
    Format: 11,6 x 18,5 cm , 544 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-5933-7

    14,00 EUR

  • David Nicholls – Drei auf Reisen
    Roman

    Original: Us

    Aus dem Englischen von Simone Jakob
    eBook
    544 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-9281-5

    13,99 EUR

Leseprobe

1. Einbrecher


Letzten Sommer, kurz bevor mein Sohn aufs College ging, weckte mich meine Frau mitten in der Nacht.
Zuerst dachte ich, es gehe um Einbrecher. Seit wir aufs Land gezogen waren, schreckte sie beim kleinsten Knarren, Ächzen oder Rascheln aus dem Schlaf. Ich versuchte immer, sie zu beruhigen: Das ist nur die Heizung, das sind nur die Holzbalken, die sich ausdehnen oder zusammenziehen, das sind nur Füchse. Ja klar, antwortete sie dann, Füchse, die den Laptop mitgehen lassen, Füchse, die Autoschlüssel klauen – und wir lauschten in die Dunkelheit. Es gab zwar einen »Notfallknopf« neben unserem Bett, doch ich konnte mir nicht vorstellen, ihn jemals zu drücken, denn der Alarm könnte ja jemanden stören – einen Einbrecher zum Beispiel.
Ich bin zwar kein besonders mutiger oder imposanter Mann, aber in jener Nacht seufzte ich nur, warf einen Blick auf die Uhr – kurz nach vier –, ging die Treppe runter, stieg über unseren nutzlosen Hund und tappte von Zimmer zu Zimmer, um alle Fenster und Türen zu kontrollieren.
Wieder im Schlafzimmer, sagte ich: »Alles bestens. Wahrscheinlich nur Luft in den Wasserrohren.«
»Wovon sprichst du?«, fragte Connie, die sich unterdessen aufgesetzt hatte.
»Alles in Ordnung, keine Einbrecher weit und breit.«
»Wer redet denn von Einbrechern? Ich sagte, ich habe das Gefühl, unsere Ehe ist am Ende, Douglas. Ich glaube, ich will dich verlassen.«
Eine Weile saß ich stumm auf der Bettkante.
»Na ja, wenigstens sinds keine Einbrecher«, sagte ich schließlich, doch keiner von uns lächelte, und beide machten wir in dieser Nacht kein Auge mehr zu.

 


2. Douglas Timothy Petersen

 

Unser Sohn Albie würde also im Oktober von zu Hause ausziehen und zu bald danach auch meine Frau. Die beiden Ereignisse schienen mir so eng miteinander verknüpft, dass mir gelegentlich der Gedanke kam, dass wir, wenn Albie seine Prüfungen vergeigt hätte und sie wiederholen müsste, vielleicht noch ein gutes Jahr Ehe vor uns hätten.
Aber bevor ich mehr über diese und andere Ereignisse erzähle, die sich in diesem speziellen Sommer ereigneten, sollte ich Ihnen erst ein bisschen was über mich erzählen – ein »Porträt in Worten«. Es dürfte nicht allzu lange dauern. Ich heiße Douglas Petersen und bin 54 Jahre alt. Ist Ihnen das faszinierende dritte »e« in Petersen aufgefallen? Es ist ein Vermächtnis skandinavischer Vorfahren, irgendeines Ururgroßvaters – allerdings war ich nie in Skandinavien und kann auch keine interessanten Geschichten dazu erzählen. Skandinavier werden üblicherweise als blond, gutaussehend, offen und ungehemmt beschrieben – nichts davon trifft auf mich zu. Ich bin Engländer durch und durch. Meine Eltern, die beide gestorben sind, haben mich in Ipswich aufgezogen, mein Vater war Arzt, meine Mutter Biologielehrerin. Den Namen »Douglas« verdanke ich ihrer nostalgischen Schwärmerei für Douglas Fairbanks, den Hollywoodstar – noch etwas, das Sie auf eine falsche Fährte locken könnte. Im Laufe der Jahre wurden mehrere Versuche unternommen, mir Spitznamen wie »Doug«, »Dougie« oder sogar »Doogie« zu geben. Meine Schwester Karen, die einzige selbst ernannte »schillernde Persönlichkeit« der Familie Petersen, nennt mich »D.«, »Big D.«, »D-ster« oder »Professor D.«, was, wie sie sagt, mein Knastname wäre, aber keiner hat sich durchgesetzt, und so bin ich Douglas geblieben. Auch mein zweiter Vorname, Timothy, birgt keine Vorteile. Douglas Timothy Petersen. Von Beruf Biochemiker.
Was mein Aussehen betrifft: Am Anfang unserer Beziehung, als meine Frau und ich noch das Bedürfnis hatten, ständig über das Aussehen und den Charakter des anderen und darüber, was wir aneinander liebten, zu sprechen, hat sie mir mal gesagt, mein Gesicht sei »völlig in Ordnung«; als sie meine Enttäuschung bemerkte, fügte sie schnell hinzu, ich hätte »wirklich freundliche Augen«, was auch immer das heißen mag. Und es stimmt, mein Gesicht ist völlig in Ordnung, und meine Augen, ob »freundlich« oder nicht, sind dunkelstes Dunkelbraun, meine Nase hat eine angemessene Größe, und ich habe die Art Lächeln, wegen der Fotos im Müll landen. Was sonst? Einmal kam bei einer Dinnerparty das Gespräch auf das Thema: »Wer könnte mich im Film meines Leben spielen?« Es wurde viel gelacht und gescherzt, während alle mit diversen Filmstars und TV-Promis verglichen wurden. Bei Connie war es irgendeine obskure europäische Schauspielerin, und sie protestierte – »Die ist viel zu glamourös, zu schön« und so weiter –, war jedoch sichtlich geschmeichelt. Das Spiel ging weiter, aber als ich an der Reihe war, verstummten alle, tranken einen Schluck Wein und kratzten sich am Kinn. Die Hintergrundmusik kam uns auf einmal sehr laut vor. Anscheinend sah ich keiner berühmten oder markanten Persönlichkeit in der gesamten Menschheitsgeschichte ähnlich, was wohl heißt, dass ich entweder einzigartig oder das völlige Gegenteil davon bin. »Wer möchte noch Käse?«, fragte der Gastgeber, und wir sprachen rasch über etwas anderes, wie die relativen Vorzüge von Korsika gegenüber Sardinien.
Wie auch immer, ich bin 54 Jahre alt – habe ich das schon erwähnt? – und habe einen Sohn, Albie (auch Egg genannt), den ich sehr liebe, der mich aber manchmal mit einer so reinen, gebündelten Verachtung ansieht, dass ich vor Traurigkeit und Bedauern kaum sprechen kann.
Wir sind also eine kleine, fast kümmerliche Familie, und ich glaube, manchmal hat jeder von uns das Gefühl, sie ist zu klein, und wir alle wünschen uns, es wäre noch jemand da, der ein paar der Schläge abbekommt. Connie und ich hatten auch noch eine Tochter, aber sie starb schon bald nach der Geburt.

 

3. Die Parabel


Laut einer gängigen Vorstellung sehen Männer mit zunehmendem Alter immer besser aus, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Wenn das stimmt, bin ich auf dem absteigenden Ast. »Kauf dir Feuchtigkeitscreme!«, sagte Connie ...

Autor

David Nicholls, geboren 1966, war Schauspieler, bevor er Drehbuchautor von britischen Fernseh-Erfolgsserien wie »Cold Feet, I Saw You« und »Rescue Me« wurde. Bisher erschienen bei Kein & Aber seine Romane »Keine weiteren Fragen« (2003), »Ewig Zweiter« (2005) und der Weltbestseller »Zwei an einem Tag [...]

mehr zum Autor

Presse

SRF3 Buchtipp

»David Nicholls bricht eine Lanze für die Gefühle der Männer!«

Magazin Natürlich

»Ein Roman mit Herzenswärme und Sprachwitz.«

ELLE

»Traurig und wunderschön!«

Happinez

»Bestseller Autor David Nicholls schreibt weise und humorvoll vom Finden, aber vor allem vom Halten der Liebe.«

ZDF Morgenmagazin

»Drei auf Reisen ist nie bitter oder klischeehaft, das ist der Verdienst von David Nicholls Erzähltalent, seiner Herzenswärme für die Figuren und dem großartigen Sprachwitz. Ein wundervolles Buch!«

Hamburger Morgenpost

»Nicholls schreibt wieder locker-flockig und rührend. Ein unterhaltsames Lesevergnügen.«

Schweizer Familie

»Schwierige Ereignisse in lockerem Ton zu schildern, ist das Markenzeichen des englischen Autors.«

NDR1

»Humorvoll und sehr einfühlsam erzählt Nicholls über eheliche Krisen, über Gefühle im Wandel, über Elternliebe und über die Schwierigkeiten eines Jungen, einen eigenen Weg zu finden.«

Focus

»Auch in diesem Buch lässt sich Nicholls nicht von Klischees einfangen. Er hat einen psychologisch klugen, sehr zeitgenössischen Beziehungsroman geschrieben, der für das zweifelnde Paar vor allem Überraschungen und ein paar melancholische Erkenntnisse bereithält.«

Der Spiegel

»Auch in Drei auf Reisen hält Nicholls meisterhaft die Balance zwischen Tragik und Witz. Ein bisschen von Familie Petersen steckt vermutlich in uns allen.«

Elke Heidenreich

»Es ist höchst unterhaltsam erzählt, sehr lustig; man lacht dauernd. Darunter ist aber ganz ernst auch die Frage, wie kann eine Familie, ihr Glück erhalten.«

WDR5

»Die Szenen einer Ehe werden sehr fein und sehr still skizziert. Diese Geschichte ist toll erzählt, sie hat ein überraschendes Ende und ein überraschend gutes Ende.«

Anschauliches