Liebe zukünftige Lieblingsfrau

Michalis Pantelouris

»Wie soll ich dich ansprechen? Ich meine, ganz grundsätzlich: Wie spricht ein Mann eine Frau an? Wie spricht man sie erfolgreich an, ohne dass sie denkt: Oh, bitte nicht.« Gibt es die zweite große Liebe des Lebens? Und wie schafft man es, auf der Suche nach ihr nicht in jedes erdenkliche Fettnäpfchen zu treten?Selbstironisch, aufgewühlt und entwaffnend offen erzählt Michalis Pantelouris davon, wie man sich als alleinerziehender Vater und frischgebackener Single auf die Suche macht – eine berührende und komische Reise durch das Herz eines erschütterlichen Romantikers. Tausende von Zuschriften, Liebeserklärungen und Heiratsanträgen aufgrund seiner SZ-Kolumne ließen Michalis Pantelouris dieses Buch schreiben, in dem er verrät, was alles während seiner Suche nach der zukünftigen Lieblingsfrau geschah.

Nach zehn Jahren Ehe muss Michalis Pantelouris beziehungsmäßig wieder ganz von vorn anfangen: Seine Frau hat ihn verlassen. Auf der Suche nach einer nächsten Liebe seines Lebens wird ihm schnell klar, dass ihm die Rituale des Datens fremd geworden sind. Das letzte Mal hatte er kein gebrochenes Herz, und auch sonst ist heute vieles anders. Er beginnt, seine Sehnsüchte, Rückschläge und Unsicherheiten in außergewöhnlich ehrlichen Briefen an seine zukünftige Lieblingsfrau aufzuschreiben. Doch als diese Briefe als Kolumne erscheinen, steht seine Welt endgültig kopf.

Format

  • Michalis Pantelouris – Liebe zukünftige Lieblingsfrau

    Hardcover
    Format: 11,6 x 18,5 cm , 208 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-5772-2

    4. Oktober 2017
    20,00 EUR

  • Michalis Pantelouris – Liebe zukünftige Lieblingsfrau

    eBook
    208 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-9373-7

    4. Oktober 2017
    16,99 EUR

Leseprobe

1

Katzen starren auf Türen. Das ist kein Indiz dafür, dass sie hindurchgehen wollen. Aber das weiß Herr Baris nicht, der im dritten Stock wohnt und an der Tür klopft, wenn er im Vorbeigehen Willy auf meiner Fußmatte sitzen sieht, morgens um Viertel nach sieben. »Guten Morgen, lieber Nachbar«, sagt er, als ich öffne, und zeigt auf den Kater. »Die Katze will rein. Geht es dir gut?« Er lacht mit dem ganzen Gesicht, eigentlich mit dem ganzen Körper, sein Bauch zittert ein bisschen, so sehr freut er sich, mich zu sehen. »Im Rahmen meiner Möglichkeiten gut, ja«, antworte ich. Was ich immer sage, wenn mich jemand fragt, von dem ich annehme, dass er nicht wirklich etwas hören will, sondern etwas erzählen. »Nicht vergessen«, sagt Herr Baris, »du bist ein König! Du bist frei!« Er freut sich jedes Mal, wenn er mir diese Botschaft überbringen kann. Ich blicke hinunter zu Willy, der noch auf der Fußmatte sitzt und keinerlei Anstalten macht, in die Wohnung zu kommen. Sein Blick ist das Graubrot unter den Blicken. Völlig teilnahmslos. Ich habe Graubrot stets dafür bewundert, dass es sich nicht einmal die Mühe macht, wenigstens unter Broten irgendetwas darzustellen. Von Willy kann ich keine Reaktion erwarten. Aber ich weiß, was als Nächstes kommt. »Nur eins musst du dir merken«, beginnt Herr Baris, und ich beende seinen Satz für ihn. »Keine Frau mehr«, sage ich, und er ist begeistert, wie gut ich gelernt habe. »Ja«, ruft er freudestrahlend, »nicht mehr heiraten, und natürlich keine Kinder. Du bist jetzt frei! Guck mich an!« Herr Baris ist Witwer, seine Frau ist vor zwei Jahren gestorben, und wenn man nicht wie ich gesehen hat, wie liebevoll er sie jahrelang gepflegt hat, könnte das hier alles ein bisschen geschmacklos sein, aber er hat sich die Freiheit ehrlich verdient. »Ja«, sage ich, »merk ich mir.« Was ein weiteres Zittern durch seinen Bauch jagt, und durch meinen Kopf schießt der Gedanke, dass ich vielleicht lieber Witwer wäre, als einfach nur verlassen worden zu sein, ein Gedanke, der so böse ist, dass ich mich gleich dafür schäme, ihn überhaupt denken zu können. In den Eingeweiden der Wohnung fragt Tochter Nummer zwei laut nach, ob ich ihr Schulbrot schon eingepackt habe. Habe ich nicht, und es sind auch noch zehn Minuten Zeit. »Geht es dir denn gut«, frage ich Herrn Baris, um nicht in meinen eigenen Gedanken herumzutaumeln, und er breitet als erste Antwort seine Arme aus in einer Geste von Guck-mich-doch-an. »Alles gut«, ruft er, »ich bin ein König! Ich bin frei!«

»Was sagt der Arzt?«, präzisiere ich, weil mir dieser unbekannte Experte eine bessere Quelle zu sein scheint als der manische Freiheitskämpfer mit dem wackelnden Bauch in meinem Flur, und auch, damit er aufhört, so gut gelaunt zu sein um diese Zeit. »Ach«, lacht er, »was Ärzte sagen. Blablabla Cholesterin.« Er winkt mit weit ausgebreiteten Armen ab. Der kleine Teil von mir, der ihn nicht aus Sorge um seine Gesundheit nach dem Arzt gefragt hat, sondern, um das Grinsen von seinem Gesicht zu fegen, zuckt in einem letzten Aufbäumen sterbend zusammen. Ich wünschte, ich könnte auch irgendwann einmal mit ausgestreckten Armen reden. Wer macht so etwas? Es ist die unnatürlichste Sprechhaltung, die es gibt, wenn man nicht gerade Priester ist oder Zauberkünstler. Aber Herr Baris mit seinen mehr als achtzig Jahren, dem blablabla-cholesteringeblähten Bauch unter einem Pullover von 1971 und dem Grinsen auf dem Gesicht, das man satten Katzen nachsagt, jedenfalls wenn man keine Ahnung von Katzen hat, der hält die Arme immer noch weit ausgestreckt, bereit für alles, womit das Leben auf ihn werfen will. Den Kopf voller Freiheit.

In diesem Moment erhebt sich Willy betont gelangweilt von unserer Unterhaltung und streicht an meinem Bein entlang in die Wohnung. Ich mache eine vage angedeutete Geste der Katze hinterher. »Ich muss mal ran«, sage ich, »viel zu tun«, und gleichzeitig wird mir bewusst, wie absurd das klingt von mir, einem Typen, der in Schlafanzughose mit wirrem Haar im Hausflur steht und aussieht, als wäre er evakuiert worden. Wenn Herr Baris von unseren Treffen erzählt, bin wahrscheinlich ich der Verrückte. Und da durchzuckt es mich: Er will nicht reden, jedenfalls nicht nur. Er kümmert sich. Um mich. Er macht sich Sorgen. Weil er mich mag und ich sein Nachbar bin, und weil ich offensichtlich den Eindruck erwecke, man müsse sich Sorgen um mich machen. Ich spüre, dass mir gleich Tränen in die Augen schießen, deshalb mache ich einen Schritt vor und umarme ihn. Für eine Sekunde oder drei steht er verdutzt da, die Arme ausgebreitet, stocksteif, dann legt er sie langsam um mich und tätschelt mir den Rücken. »Du bist ein guter Junge«, sagt er. »Du hast dein ganzes Leben noch vor dir. Aber immer dran denken …« Ich nicke. »Nie mehr heiraten«, flüstere ich, und er sieht mich stolz lächelnd an. »Genau«, sagt er, »und vor allem keine Kinder.« ...

Autor

Michalis Pantelouris, Jahrgang 1974, schreibt als Journalist und Autor unter anderem für das SZ-Magazin und Emotion. Seine Kolumne »Liebe zukünftige Lieblingsfrau« für das SZ-Magazin war ein riesiger Erfolg. Er lebt – jede zweite Woche mit seinen Töchtern Nummer eins und Nummer zwei, immer mit Katze [...]

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Presse

Münchner Merkur

»Von einem, den die Liebe völlig überraschend verlassen hat und der seit über zwei Jahren wieder auf der Suche ist. Er tut das mit Pathos und den allerschönsten Worten, mit denen der Verlust und das Suchen erzählt werden können.«

NDR DAS!

»Die Kultserie Sex and the City bekommt Konkurrenz aus Norddeutschland und zwar von einem Single-Mann mit griechischen Wurzeln.«

petra

»Michalis Pantelouris packt nach einer gescheiterten Beziehung seine Sehnsucht nach der neuen Liebe in so schöne, geschliffene Worte, dass man ganz schnell seine eigene Liebe retten möchte.«

rbb zibb

Das Buch kann ich nur empfehlen, in einer Nacht durchgelesen.

BR 3

»Liebe zukünftige Lieblingsfrau - ein sehr unterhaltsames, witziges, sehr nachdenkliches, bewegtes Buch.«

BR1

»Michalis Pantelouris hat da authentisch und aufrichtig und wunderschön aufgeschrieben, wie schwer es ist, Abschied zu nehmen ohne zu verbittern. Liebenswert, berührend, bitte lesen!«

WDR Cosmo

»Pantelouris ist zum Verlieben.«

RBB Hörbar Rust

»Mit diesen Briefen trägt er sein Inneres klug, lustig und emotional nach außen.«