Sex & Vanity – Inseln der Eitelkeiten

Sex & Vanity – Inseln der Eitelkeiten

Kevin Kwan

Eine schillernd-verrückte Geschichte von Liebe und Reichtum. Kevin Kwan gewährt Einblick in die turbulente Gefühlswelt der Superreichen und ihre geheimen Inseln der Eitelkeit: Capri und New York.

Es ist Abneigung auf den ersten Blick: Als Lucie bei einer prachtvollen Hochzeit auf Capri auf George trifft, kann sie ihn auf Anhieb nicht ausstehen. Niemand sollte in einer Speedo-Badehose so gut aussehen! Fünf Jahre später führt sie mit ihrem neuen Verlobten ein Luxusleben in New York. Doch da taucht George wieder auf, und Lucie sträubt sich mit aller Kraft gegen seinen Zutritt in ihre Welt – und in ihr Herz.

Format

  • Kevin Kwan – Sex & Vanity – Inseln der Eitelkeiten
    Roman

    Original: Sex and Vanity

    Aus dem Englischen von Anna-Christin Kramer, Lisa Kögeböhn
    Flexcover
    Format: 11,6 x 18,5 cm , 400 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-5835-4

    1. September 2020
    20,00 EUR

  • Kevin Kwan – Sex & Vanity – Inseln der Eitelkeiten
    Roman

    Original: Sex and Vanity

    Aus dem Englischen von Anna-Christin Kramer, Lisa Kögeböhn
    Ebook
    400 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-9449-9

    1. September 2020
    16,99 EUR

Leseprobe

1
ANACAPRI
CAPRI, ITALIEN


Ein paar Kilometer außerhalb von Neapel riss der Vormittagsnebel plötzlich auf, und Capri tauchte glitzernd daraus hervor. Aus dem Hubschrauber ähnelte die Insel einem riesigen Smaragd, den die Götter ins Meer geworfen hatten. Lucie (92nd Street Y Nursery School/Brearley/Brown ’16) schaute hinunter auf das tiefblaue Wasser und fragte sich, wie warm es wohl war und wann sie hineinspringen konnte. Sie liebte das Gefühl von Meerwasser auf der Haut.
»Was willst du als Erstes machen?«, fragte sie ihre Cousine Charlotte (Rippowam/Miss Porter’s/Smith) vorfreudig.
»Ich will ins Michel’angelo. Das ist für seine Spaghetti mit frischen Campania-Tomaten und Burrata bekannt. Die sollen himmlisch schmecken.«
»Klingt lecker!«
»Und du?«
»Ich will auf jeden Fall in der Blauen Grotte schwimmen. «
»Kann man da drin schwimmen?«
»Warum denn nicht?«
»Hmm … ist die nicht sehr tief?«
»Ich bin schon im Atlantik und in der Karibik geschwommen. Wieso dann nicht in einer kleinen Inselhöhle? «, erwiderte Lucie unbekümmert. Sie hoffte inständig, Charlotte würde sich auf der Reise nicht so viele Sorgen um sie machen wie ihre Mutter. Aber zum Glück war ihre Cousine durch den Ausblick aus dem Fenster schon wieder abgelenkt.
»Fantastisch, oder?« Charlotte bestaunte das dramatische, in Wolken gehüllte Bergpanorama der Insel.
»Kaiser Tiberius hielt Capri für den schönsten Ort auf Erden«, erklärte Lucie. »Deshalb hat er im 1. Jahrhundert die Hauptstadt des Römischen Reiches hierher verlegt. Issies Hochzeit findet in den Ruinen seines Palastes statt.«
Charlotte lächelte. »Deshalb verreise ich so gern mit dir. Ich kann mich immer darauf verlassen, dass du deine Hausaufgaben gemacht hast. Du bist mein persönliches Wikipedia und Yelp in einem. Weißt du noch, als wir mal über Weihnachten in Quebec waren und du den kompletten Trip danach ausgerichtet hast, welche Cafés die beste heiße Schokolade hatten?«
»Nee, da ging es um die beste Poutine für Freddie«, berichtigte Lucie.
»Igitt, Freddie und seine Poutine! Mir schwant Übles, wenn der mal seinen Teenager-Stoffwechsel verliert. O Gott, sollen wir da etwa landen?« Charlotte zeigte auf den Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach eines majestätischen Hotels, dessen Terrassen mit Arkaden gesäumt waren.
»Sieht ganz so aus.«
»Aber da übernachten wir doch nicht, oder?«
»Nein, wir sind im Bertolucci untergebracht. Ich glaube, hier steigen immer die ganzen Promis ab. Mariah Carey und Julia Roberts und so.«
»Na, dann bin ich aber froh, dass wir nicht hier schlafen «, sagte Charlotte. »Solche Promihotels sind meistens schrecklich. Wenn man nicht berühmt ist, wird man da wie der letzte Dreck behandelt.«
Der AgustaWestland AW109 landete mit einem spektakulären Manöver auf dem Hoteldach. Mehrere Angestellte eilten herbei, um ihnen das Gepäck abzunehmen, und eine Dame in einem eleganten weißen Etuikleid im Retrolook begrüßte sie. »Sie müssen die Signorine Churchill und Barclay sein. Willkommen in Anacapri! Darf ich Ihnen einen Willkommensdrink anbieten?« Sie strich ihre Namen von einer Liste auf ihrem iPad, und ein livrierter Kellner reichte ihnen eiskalte Bellinis in hohen venezianischen Gläsern. Hinter ihm erschien ein zweiter mit einem Tablett frischer, in weiße Schokolade getauchter Erdbeeren.
Charlotte griff zögerlich nach einer Erdbeere. »Danke! Aber Sie wissen doch sicher, dass wir nicht bei Ihnen übernachten? «
»Natürlich. Aber als Hochzeitsgäste von Miss Chiu sind Sie selbstverständlich auch bei uns willkommen. Ihr Hotel befindet sich in Capri-Stadt, wir schicken Ihr Gepäck dorthin.«
»Und das kommt auch wirklich an?«, erkundigte sich Charlotte besorgt.
»Keine Bange, Signora, bei uns ist Ihr Gepäck in den besten Händen. Kommen Sie mit nach unten, wir haben den Transport bereits organisiert.« Die Dame eskortierte sie in die Lobby, vor der bereits ein Taxi wartete – ein aufwendig restauriertes, knallrotes Fiat-Cabriolet aus den Fünfzigerjahren.
Der Fahrer öffnete ihnen schwungvoll die Tür. »Buongiorno! Ich bringe Sie nach Capri, sind nur zehn Minuten.«
Lucie machte es sich im Auto gemütlich. »Also, wenn das die Behandlung für den letzten Dreck war, dann will ich gern mal wissen, wie Julia Roberts hier hofiert wird.«
»Na, vielleicht haben sie mich ja gegoogelt und gesehen, wer ich bin«, kommentierte Charlotte ohne den leisesten Hauch von Ironie. Sie zog beträchtliches Selbstvertrauen aus ihrer Tätigkeit als eine der leitenden Redakteurinnen von Amuse Bouche. Schließlich war es ein einflussreiches Magazin und gehörte zur noch einflussreicheren Muttergesellschaft Barón Snotté. Jetzt richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf das hübsche, creme-gelb gestreifte Verdeck des Oldtimers.
»Wäre es nicht toll, wenn die Taxis in der Stadt¹ auch so aussehen würden? So viel besser als diese albernen ›Taxis of Tomorrow‹, die schon jetzt abgeranzt wirken.«
»Dieses Leinenverdeck würde in der Stadt doch keine Woche überleben.« Lucie strich lachend mit dem Finger über das Verdeck und ließ die Hand im Fahrtwind baumeln. Als das Taxi um eine Haarnadelkurve bog, rief sie: »Oh, wow! Guck mal nach links!«
Charlotte warf einen kurzen Blick über die Steilküste aufs Meer, das weit unter ihnen lag, und schnappte nach Luft. »O Gott, mir wird schwindelig! Da guck ich lieber nicht runter!« Sie sah sich nach etwas um, woran sie sich festhalten konnte, fand aber lediglich einen gekühlten Champagner mit einer jadegrünen Schleife um den Flaschenhals. An der Schleife hing eine Karte mit ihren Namen darauf. »Oh, guck mal, der ist für uns! Deine Freundin ist echt großzügig. Zwei First-Class-Flugtickets, der Hubschraubertransfer von Rom nach Capri, dieses tolle Auto und dann noch Champagner? Dabei bist du nicht mal Brautjungfer!«
»Das ist typisch Issie. Früher in der Park 788 war sie unsere Nachbarin, weißt du noch? Sie hat mir viele ihrer Kleider geschenkt. Die meisten Outfits hat sie nur ein, zwei Mal angehabt, daher hatte ich übrigens auch das kleine …«
»Das kleine weiße Chanel-Täschchen, damals in der dritten Klasse!«, beendete Charlotte Lucies Satz. »Stimmt! Das hatte ich ganz vergessen. Ich dachte, du kennst Isabel von der Brown.«
»Nein, sie ist ja viel älter als ich. Für mich war sie immer so was wie eine große Schwester.«
»Na, da wirst du ja ganz schön verwöhnt von deiner großen Schwester, hm? Eine Woche voller Partys, und dann noch eine Hochzeitsfeier, die garantiert die von Kate und William in den Schatten stellt.« Charlotte brachte es fertig, gleichzeitig vorfreudig und missbilligend zu klingen. »Wie viel hat ihr Vater sich den Spaß wohl kosten lassen? «
»Das hat Issie mir nicht erzählt, dafür ist sie viel zu gut erzogen. Aber ich wette, die Hochzeit wird keine Wünsche offenlassen.« Lucie konnte ihr Glück immer noch kaum fassen. Zum einen war es die erste Hochzeit, zu der sie als Erwachsene eingeladen war, im Gegensatz zu den Familienhochzeiten, zu denen man sie als Kind immer mitgeschleppt hatte, und zum anderen war es der erste richtige Urlaub ohne ihre Mutter und ihren Bruder.
Als Lucie die verschnörkelte, handgravierte Einladung erhalten und das Datum gesehen hatte, war ihr das Herz in die Hose gerutscht: 20. Juli. Obwohl sie neunzehn Jahre alt war und tun und lassen konnte, was sie wollte, war ihre Mutter noch immer ihre wichtigste Bezugsperson. Jedes Jahr am dritten Juliwochenende fand die von ihrer Mutter organisierte Spendengala für den Animal Rescue Fund von Long Island statt, und Lucie war als Tochter der Vorstandsvorsitzenden fest als Helferin
eingeplant. Erst nach zähen Verhandlungen hatte ihre Mutter widerwillig nachgegeben – Lucie durfte zur Hochzeit, aber nur unter der Bedingung, dass ihre ältere Cousine Charlotte sie begleitete. Ihr Bruder Freddie nannte die vierundvierzigjährige Charlotte hinter ihrem Rücken »Spaßbremse«, aber Lucie war zuversichtlich. Klar, ein bisschen nervig war es, aber sie würde schon mit ihr zurechtkommen – die Hochzeit war es auf jeden Fall wert.
Lucie war zwar im selben, in den 1930ern von Rosario Candela entworfenen Haus aufgewachsen wie ihre Freundin, aber Isabels Leben war um einiges glamouröser. Ihr Vater war Diplomat und stammte – wenn man den Liftboys des Hauses Glauben schenkte – aus einer der erfolgreichsten Geschäftsdynastien Asiens. Die Chiu-Familie residierte im weitläufigen Duplex-Penthouse mit achtzehn Zimmern, während die Churchills in einer classic seven² im zehnten Stock wohnten. Die Portiers munkelten, dass die Chius immer via Teterboro Airport reisten – ein todsicheres Zeichen, dass die Familie nur mit dem Privatjet flog.
Mit ihrer atemberaubenden Schönheit, dem quirligen Charme und akademischen Ehrgeiz gehörte Isabel zu den beliebtesten Schülerinnen am Lycée Français. Mit achtzehn debütierte sie beim Le Bal³ in Paris und zierte das Cover des Taiwan Tatler, und als sie schließlich den Brown-Abschluss in der Tasche hatte, war die Schar ihrer Instagram-Follower auf über dreißigtausend angewachsen. Inzwischen arbeitete sie in Los Angeles für eine Filmproduktionsfirma, sodass Lucie hauptsächlich über Social Media mitbekam, an welche beneidenswerten Orte sie reiste – zur Frieze Art Fair in London, nach Park City fürs Sundance, zu einer Party bei Caetano Veloso in Bahia – und mit welchen coolen Freunden sie sich umgab.
Charlotte platzte mit einer Frage in ihren Tagtraum: »Wie heißt Isabels Verlobter noch gleich? Der Graf?«
»Dolfi. Sein vollständiger Name ist Adolfo De Vecchi. Ich glaube, er ist auch gar kein Graf, nur sein Vater.«
»Und er spielt Polo?«
»Genau, er hat ein Handicap von 9. In seiner Familie wird seit Generationen Polo gespielt.«
»Der polospielende Sohn eines italienischen Grafen heiratet eine taiwanesische Erbin. Lucie, Lucie, du verkehrst ja wirklich mit der internationalen Crème de la Crème.«
Kurze Zeit später erreichten sie Capri, das hoch oben auf dem Berg mit Blick auf den Hafen lag. Am geschäftigen Taxistand an der Via Roma wartete ein Italiener Mitte zwanzig in einem kurzärmeligen weißen Hemd und weißer Hose. Beides wirkte mindestens zwei Nummern zu klein. »Willkommen in Capri! Ich bin Paolo vom Bertolucci. 


 


1 Wie so viele gebürtige New Yorker meint Charlotte mit »der Stadt« Manhattan, da es für sie die einzige Stadt ist, auf die es ankommt. (Charlotte hat im Lenox Hill Hospital das Licht der Welt erblickt, für New Yorker ihrer Generation mit der Postleitzahl 10021 der einzig würdige Geburtsort.)

2 New Yorker Maklerjargon für eine Altbauwohnung mit sieben Zimmern – Salon, Esszimmer, separate Küche, drei Schlafzimmer und ein Dienstbotenzimmer. Im Jahr 2013 lag der durchschnittliche Preis für ein classic seven bei 4,6 Millionen Dollar.

3 Le Bal des Débutantes, der jeden November in Paris veranstaltet wird, ist ein Ball für Debütantinnen aus aller Welt, darunter Töchter des europäischen Adels, Promikinder sowie Mädchen, deren Eltern einfach unfassbar viel Geld besitzen.

Autor

Kevin Kwan wurde 1973 in Singapur geboren und zog als Kind mit seiner Familie in die USA. Von der TIME wurde er auf die Liste ...

mehr zum Autor

Presse

Petra

»Schillernd und amüsant.«

Gala

»In seinem neuen Roman treibt der Singapurer seine satirischen Beobachtungen der Upper- Upperclass auf die dekadente Spitze: (...). Sehr vergnüglich!«

Neue Zürcher Zeitung

»Wer könnte die Insignien, Lügen und Widersprüchlichkeiten dieses Reichtums besser analysieren und sezieren als Kevin Kwan (...).«

Publishers Weekly

»Ein köstliches Gesellschaftsstück – das literarische Äquivalent zur Pizza mit weißem Trüffel und Kaviar.«

Entertainment Weekly

»Das neue Buch von Kevin Kwan ist sein bisher dekadentestes.«

Kirkus

»Das ist der einzige Weg, wie Sie dieses Jahr nach Capri kommen. Warum Widerstand leisten?«

BookPage

»Ein herrlich lustiges Toben von Capri nach Manhattan und East Hampton. Kwan in Höchstform.«

Vanity Fair

»Köstlich modern. Drama, Diamanten und Satire in Hülle und Fülle.«

The Atlantic

»Kevin Kwan ist der Shakespeare der Statusbesessenheit.«