Sound of the Cities

Sound of the Cities

Philipp Krohn, Ole Löding

Eine einzigartige Mischung aus Popgeschichte, Erlebnisbericht, Reiseführer und Liebeserklärung an Musikmetropolen und ihren Sound

Wurde der Punk in London oder Detroit erfunden? Ist Liverpool wirklich die »Capital City of Pop«? Und warum entstand der Grunge in Seattle? Musik - ob Rock oder Pop, Soul oder Elektro - ist immer an die Mentalität der Städte gebunden, in denen sie entsteht. Auf der Suche nach Belegen für diese These haben die Autoren die zentralen Plätze der Popgeschichte bereist und Mitglieder von großen Bands ebenso befragt wie einflussreiche Produzenten, Nachwuchskünstler und Plattenladenbesitzer.

Format

  • Philipp Krohn, Ole Löding – Sound of the Cities
    Eine Popmusikalische Entdeckungsreise

    Hardcover
    Format: 15,7 x 23,0 cm , 416 Seiten
    ISBN: 978-3-9540-3091-0

    22,95 EUR

  • Philipp Krohn, Ole Löding – Sound of the Cities
    Eine Popmusikalische Entdeckungsreise

    eBook
    416 Seiten
    ISBN: 978-3-9540-3097-2

    16,99 EUR

Leseprobe


Reisevorbereitungen


Wurde der Punk in London oder Detroit erfunden? Ist Liverpool wirklich die »Capital City of Pop«, wie das Guinness-Buch der Rekorde verkündet? Warum entstand der Grunge in Seattle? Welchen Einfluss nahm die Szene im New Yorker Greenwich Village auf die Rockmusikgeschichte? Wieso entwickelte sich eine »Hamburger Schule«? Warum ist der Soul aus Memphis dreckiger als der aus Detroit? Weshalb fasziniert uns fast alles, was aus Antwerpen kommt? Warum ist die Popmusik aus Wien so eigen? Und schließlich: Was hat das alles mit den Städten selbst zu tun?
Popmusik ist immer an die Orte gebunden, an denen sie entsteht. Der San-Francisco-Sound mit seinen drogenseligen Ausschweifungen konnte sich nur in der Bay Area unter den politisch-sozialen Bedingungen der Sixties entwickeln. Die Neue Deutsche Welle beeinflusste ab Ende der 1970er Generationen von deutschsprachigen Popmusikern und wäre ohne die bunten subkulturellen Szenen des Ratinger Hofs und der Hamburger Marktstube kaum denkbar. Bristol wurde durch seine multikulturelle Bevölkerungszusammensetzung der Geburtsort einer ganzen Musikgattung mit dem Verlegenheitsnamen »Trip-Hop«.
Musikjournalisten, Feuilletonreporter und Wissenschaftler sind der Entstehung von musikalischen Bewegungen reihenweise nachgegangen. Zu vielen unserer Musikstädte gibt es eigene lesenswerte Abhandlungen, doch diese wurden meist aus der Perspektive des Szenekenners verfasst, der sich einem kleinen lokalen Ausschnitt der Musikwelt widmete. Wir allerdings meinen, dass erst im Vergleich mit anderen Orten die Einzigartigkeit einzelner Popmetropolen wirklich greifbar wird.
Wir beide sind Musikfans seit dem frühen Teenageralter. In einer Zeit, in der MTV die Popmusik in die Wohnzimmer der Welt brachte, suchten wir nach unserer eigenen musikalischen Identität. Wir haben die kleinen unabhängigen Plattenläden in Hamburg – an dessen Rändern wir aufgewachsen sind – nach besonderen Angeboten durchforstet, stundenlang haben wir in wegweisende Aufnahmen hineingehört, jahrelang nach Besonderem geforscht und auf Konzerten nach der besten Liveband der Welt gesucht. Irgendwann haben wir angefangen, unsere Plattensammlungen zumindest zeitweise nach Orten zu sortieren.

Genau das ist der Ausgangspunkt unseres Projekts, das uns nun seit August 2013 intensiv beschäftigt: Die Musik, die wir hören, kommt zu einem großen Teil aus Städten. Sie liegen in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland und dem Rest Kontinentaleuropas. Unser Ausschnitt der Popmusikgeschichte besteht überwiegend aus Rock (mit all seinen Verästelungen, die Punk und New Wave mit einschließen), Soul (mit all seinen geografischen Besonderheiten), Folk, Chanson und Singer- Songwriter-Musik sowie Elektro (von Trip-Hop über Drum ’n’ Bass bis zu Ambient) – dazu die Highlights aus Hip-Hop, Techno und Mainstream- Pop.
Während eines Kneipenabends entstand dann die Idee: Wir sollten die wichtigsten Orte der Popgeschichte aufsuchen und nach Erklärungen forschen, warum ausgerechnet hier so außergewöhnliche Musik entstanden ist. Der nächste Teil des Plans war schnell gefasst. Wir wollen Zeitzeugen zu Wort kommen lassen, die die Entstehung popmusikalischer Innovationen aus eigenem Erleben schildern können – Pioniere, die Musikgattungen angestoßen haben. Nicht wie bekannt sie sind, soll die Auswahl bestimmen, sondern wie einflussreich für das Geschehen und wie nah dran sie waren und sind.
Wie klingt eine Stadt? Unter welchen Bedingungen konnte sich eine eigenständige lokale Szene entwickeln? Warum entstand Popgeschichte genau hier? Lässt sich die popkulturelle Magie an besonderen Orten auffinden und nachfühlen? Wer sind die zentralen Protagonisten der Metropolen, die Jüngere anziehen und ihnen als Rollenvorbild dienen? Was lässt musikalische Bewegungen ihre Dynamik verlieren? Inwieweit gefährdet die viel diskutierte Gentrifizierung die Kreativität in einer Metropole? Stadt für Stadt spüren wir der Frage nach, ob es den einen popmusikalischen Gründungsmythos gibt, eine bestimmte Aufnahme oder ein Konzertevent, eine Revolte, einen Skandal oder eine Gründerpersönlichkeit, auf die sich die Protagonisten berufen. Mit eigenen Anschauungen verknüpft, schildern wir Geburt, Glanzzeit und Sterben von Szenen, die stete Wiederkehr neuer Pophelden aus dem Geist des Undergrounds, der sich auf den kleinen, dunklen Bühnen der urbanen Zentren seit Mitte der 1950er Jahre bis heute lebendig hält.
Für uns beginnt die moderne Popgeschichte mit dem Moment, in dem Elvis Presley 1953 ein kleines Eckhaus auf der Union Avenue in Memphis betritt und die Grundlagen für den Rock’n’Roll-Boom legt. Wir zeichnen die großen Linien der Popmusikevolution nach, begleiten die Entstehung des Folkrock in New York, des Mersey-Beat in Liverpool, des bluesgeschulten klassischen Rock in London, des Deutschrock in Köln und des globalen Pop in Stockholm. Unser Buch ist dabei, wenn 1959 eine Schar junger Leute unter dem Eindruck von Jack Kerouacs On The Road nach San Francisco zieht und wenn in den späten 60ern die MC5 und The Stooges in Detroit die Basis für die Punk-Revolution legen. Wir gründen mit Jim Stewart und Estelle Axton Stax Records, erfinden den Bristol Sound und den Grunge mit ihren Pionieren und erleben die Selbstermächtigung der schwarzen Bevölkerung in London, die in den Jungle und Drum ’n’ Bass der 90er mündet. Wir sprechen mit Musiklegenden, Produzenten und Zeitzeugen, besuchen Gedenkstätten, legendäre Clubs, Schallplattenläden und suchen nach übersehenen Orten, an denen das geschichtsträchtige Flair der Rockgeschichte besonders spürbar ist.
Da wir unsere Reise schon seit Monaten auf einer Facebook-Seite begleiten (und auch weiter begleiten werden: facebook.com/soundofcities), ahnen wir schon, aus welcher Richtung Kritik an unserem Projekt kommen könnte. In erster Linie könnte sie dar an ansetzen, dass wir Städte weglassen mussten. Das war eine Frage des finanziellen und zeitlichen Budgets. Es gibt gute Gründe, Atlanta für eine der wichtigsten Popmetropolen der heutigen Zeit zu halten: Hip-Hop hat dort mit Künstlern wie Outkast, Usher, Janelle Monae oder Arrested Development sein Weltzentrum. Hinzu kommt eine lange Tradition von Ray Charles und James Brown über die Black Crowes bis zu Danger Mouse. Auch für Philadelphia gäbe es genügend Gründe, in diesem Buch als eigenes Kapitel enthalten zu sein: Der Philly Soul, die beste amerikanische Hip-Hop-Band, The Roots, und Solomon Burke sind die wichtigsten. Budapest, Europas musikalisch lebendigste Rezeptionsstadt, hätte genauso wie Tokio, München oder Sydney aufgenommen werden können. Ein Abstecher nach Reykjavík mit grandiosen Künstlern wie Björk, Múm oder Sigur Rós wäre genauso lohnend gewesen wie eine Fahrt nach Dublin (U2, My Bloody Valentine, The Boomtown Rats, Hothouse Flowers, The Chieftains) oder nach Minneapolis (Prince, Hüsker Dü, The Replacements). Auch die musikalischen Zentren der lateinamerikanischen Popmusik Buenos Aires, Miami und Rio de Janeiro wären zweifellos eine Reise wert gewesen. Sound of the Cities ist im wahrsten Sinne eine popmusikalische Entdeckungsreise.

Autoren

Philipp Krohn (geboren 1977) haben vier Städte geprägt: seine Geburtsstadt Hamburg machte ihn mit der Popkultur vertraut, seine Studienstadt Heidelberg mit der Germanistik und der Volkswirtschaftslehre. In Köln lernte er Radiomachen beim Deutschlandfunk. Frankfurt ist für ihn und seine vierköpfige F [...]

mehr zum Autor

Ole Löding (geboren 1976 in Bremen), studierte Germanistik und Geschichte in Heidelberg, Kopenhagen und Köln. Seine Leidenschaft für Popmusik brachte ihn zunächst zum Songschreiben, dann zum Pop-Beschreiben. In Köln promovierte er über die politische Popmusik in Deutschland. 2010 erschien sein Buch [...]

mehr zum Autor

Presse

Die Welt

»Musikalische Entwicklungen geographisch zu betrachten, ist ein interessanter Ansatz, an Musikgeschichte heranzugehen,und den haben die Autoren liebhaberisch verfolgt und in Häppchen aufbereitet.«

Die Zeit

»Eine ganz eigenständige popmusikalische Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts«

Judith Holofernes

»Tolles Buch!«

Der Neue Tag

»Das Buch hat das Zeug dazu, zu einer Bibel für Fans der Popmusik zu werden: Denn die Idee, die Philipp Krohn und Ole Löding mit ›Sound of the Cities‹ verfolgen, ist so verblüffend wie einmalig und umfassend.«

Mittelbayrische Zeitung

»Eine dringende Leseempfehlung für ein unbedingt auf der UNO-Welterbeliste zu führendes Sachbuch.«

Rolling Stone

»Als kenntnisreicher Stadtführer mit vielen Club-, Song-und Plattenladenempfehlungen ein Gewinn«

Radio Fritz

»Für Musikverückte ist ›Sound of the Cities‹ ein absolutes Muss.«

Rhein-Zeitung

»Für die Popaficionados ein Fest. … Ein Buch, das einen Platz neben jeder gut sortierten Platensammlung finden sollte.«

Zeit Online

»Wer Popkultur und Musik liebt, findet hier in den unzähligen Interviews mit ehemaligen wie aktuellen Protagonisten und Musikern (sowie den speziell zusammengestellten Playlisten für jeden der 24 Orte) eine prallgefüllte Truhe an Geschichten, Querverweisen und Plattenläden-Tipps für die nächste Städtetour.«

Flux FM

»Sehr, sehr lesenswert!«

WDR 1LIVE Klubbing

»Umfangreich recherchiert, voller Herzblut – steckt an!«

ORF Kontext

»Das Autorenduo hat nicht nur den Sound of the Cities mit Leidenschaft und Kompetenz eingefangen, sondern gibt darüber hinaus wesentliche Denkanstöße für die Theorie der Entstehung von Musik.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Großartiges Buch!«