Über guten und schlechten Schlaf

Über guten und schlechten Schlaf

Ingo Fietze

Lassen Sie sich nicht um Ihren Schlaf bringen!

Schlaf ist zentral für die Erholung, das Gedächtnis,das Wachstum, das Gehirn und das Immunsystem – und schlafen ist auch einfach schön! Dennoch kommt der Schlaf in unserer Leistungsgesellschaft bei vielen zu kurz. Wie stark dadurch unsere Befindlichkeit beeinflusst wird und welche gesundheitlichen Risiken Schlafmangel nach sich ziehen kann, ist vielen gar nicht richtig bewusst. Anschaulich erläutert der Schlafexperte Prof. Dr. Ingo Fietze wichtige Fakten und Phänomene zum Thema Schlaf: Warum schlafen wir, was sind die idealsten Bedingungen für guten Schlaf, was hat es mit den Träumen auf sich, können wir im Schlaf lernen oder gar abnehmen? Zudem erklärt er anhand von häufigen, seltenen und skurrilen Fällen aus seinem Schlaflabor verschiedene Schlaferkrankungen und -störungen wie Schlafwandel, Tagesschläfrigkeit, Schlafapnoe oder Insomnie. Er zeigt deren Ursachen auf, ebenso mögliche Behandlungsmethoden – und immer wieder macht er dabei deutlich, wie wichtig der gesunde Schlaf für uns ist.

Format

  • Ingo Fietze – Über guten und schlechten Schlaf
    Sachbuch

    Hardcover
    Format: 13,4 x 21,4 cm , 208 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-5716-6

    19,90 EUR

  • Ingo Fietze – Über guten und schlechten Schlaf
    Sachbuch

    eBook
    220 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-9302-7

    15,99 EUR

Leseprobe

                                                                              PROLOG

Als kleiner Junge lag ich manchmal im Bett zwischen meiner Oma und meinem Opa. Mein Opa war eine Respektsperson, und nur so konnte ich mir erklären, dass meine Oma diese Nächte duldete – oder sie hatte einen begnadeten Schlaf. Ich habe sie nie gefragt. Wie diese Nächte waren? Mein Opa schnarchte, nicht etwa leise und gleichmäßig, sondern sehr, sehr laut und immer wieder von Neuem, nach absolut ruhigen Pausen. Damals wusste ich nicht, dass er in diesen Pausen gar nicht atmete. Außerdem war ich zu sehr damit beschäftigt, zu versuchen, in den wenigen Sekunden ohne Schnarchen schnell einzuschlafen. Da mir dies nicht gelang, ärgerte ich mich Nacht für Nacht. Angesprochen habe ich es nie, ich traute mich nicht. Warum ich mich noch heute daran erinnere? Als Schlafforscher weiß ich, dass sich negative Erlebnisse auch bei schlechtem Schlaf einprägen. Vielleicht war dieses frühe Kindheitsereignis der Auslöser dafür, dass ich später Schlafmediziner wurde. Einige Jahre später, nach meinem Studium der Biomedizin, landete ich an der Charité in Berlin, beim Neuropathophysiologen Karl Hecht, der schon seit den 70er-Jahren den Schlaf und Schlafkrankheiten erforschte. Mitte der 80er-Jahre untersuchte er bereits die Wirkung eines Nasensprays, welcher ein Schlafmittel enthielt, was mich faszinierte. Hinzu kam mein Interesse an der Chronobiologie, der Lehre von den rhythmischen Abläufen im Organismus: Kollegen des Instituts untersuchten den Wochenrhythmus des Schlafes und, was Wunder, fanden zum Beispiel heraus, dass man tatsächlich in der Nacht von Sonntag auf Montag am schlechtesten schläft. Dass eine solch banale Weisheit noch nicht wissenschaftlich erwiesen war, war ein weiterer Grund, warum mich das Thema Schlaf zu fesseln begann und mich schließlich nicht mehr losgelassen hat. Ich war damals als junger Arzt und Forscher ein guter Schläfer mit wenig Kenntnissen der vielen möglichen Schlafstörungen. Insbesondere interessierte ich mich für Einschlafstörungen, für die besagter Nasenspray entwickelt werden sollte; und ich studierte mit Begeisterung den Zusammenhang zwischen Schlaf, Stress und Immunsystem. Anschließend, direkt nach der Wende, während meiner Lehrzeit im hessischen Marburg, lernte ich, wie weit verbreitet Schlafapnoe ist. Dann – ich war inzwischen zurück in Berlin – wurde im Oktober 1990 das erste Schlaflabor in der Charité eröffnet, und ich hatte es alsbald auch mit Schlafwandlern zu tun. Und mit anderen Patienten, die tagsüber von schlimmen Müdigkeitsattacken oder vom Phänomen der sogenannten »unruhigen Beine« geplagt wurden. Erst später kamen die ersten Schichtarbeiter mit gestörtem Schlaf-Wach-Rhythmus dazu und Patienten, die im Schlaf schreien oder zappeln. Wir haben mit sporadischen Sprechstunden und zwei Betten angefangen, waren aufgrund der riesigen Nachfrage jedoch sehr schnell nicht mehr wegzudenken und wurden zu einer kleinen, aber wichtigen Säule des medizinischen Versorgungsangebotes der riesigen Charité. Erst nach vielen Jahren der Forschung und der klinischen Routine wurde mir klar, dass wir zwar die wesentlichen Schlafstörungen kennen und auch zum Teil gut behandeln können, insgesamt jedoch über den normalen, gesunden Schlaf noch recht wenig wissen. Doch erst das Verständnis, was gesunder Schlaf ist und was ihn beeinträchtigen kann, macht einen Präventionsansatz und eine Therapie möglich. In diesem Buch werde ich anhand von Patientenbeispielen (alle Namen geändert) einen Einblick in meine klinische Tätigkeit geben, eingebettet in aktuelle Forschungsergebnisse rund um gesunden und gestörten Schlaf. Wenn 100 Personen aller Altersklassen dieses Buch in die Hand nehmen, werden vielleicht 60 Prozent sagen können: Gott sei Dank, das betrifft mich alles nicht. Und das ist auch gut so. Wir sind eine mehrheitlich noch gut schlafende und gut ausgeschlafene Gesellschaft. Allerdings wird die Anzahl der sensiblen Schläfer immer größer. Mehr als ein Drittel aller Deutschen haben inzwischen ein Schlafproblem. Schlafstörungen nehmen zu, weil wir länger leben, weil es immer mehr Übergewichtige gibt, vor allem aber auch, weil der Stress auf der Arbeit und zu Hause am Schlaf nagt und weil die Leistungsgesellschaft immer mehr von uns fordert – nur nicht erholsamen Schlaf. Doch gerade diesen brauchen wir, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Denn die häufigsten Schlafstörungen wie Insomnie, Schlafapnoe und unruhige Beine verkürzen die Lebenserwartung, erhöhen das Risiko für Herzkreislauf- und andere Erkrankungen; und sie verderben einem die Laune oder können gar zu Depression führen. Aber man kann etwas dagegen tun.

                                                                            DER SCHLAF
                                                                                      –
                                                       Gute Nacht! Oder: Geht es auch ohne Schlaf?

Gute Nacht, Teddybär, Gute Nacht, Katze, Gute Nacht, Puppe, Gute Nacht, Mama, Gute Nacht, Papa, Gute Nacht, Schwesterchen … Auf diese Weise hoffen wir zuweilen, dass Kinder in den Schlaf finden. Sie verabschieden sich von ihrer gewohnten Umgebung. Selbst bei Erwachsenen ergibt ein solches Einschlafritual Sinn, dann werden aber eher Schäfchen gezählt. Das ist eine gute und bewährte Methode.
Die amerikanische Schriftstellerin Margaret Wise Brown hat die »Verabschiedungs-Methode« verfeinert und vor über sechzig Jahren ein Buch geschrieben – von Clement Hurd wunderbar illustriert –, das inzwischen ein Klassiker ist. Es heißt Goodnight Moon und ist das Buch, mit dem Millionen von Kindern in den Schlaf gelesen werden, eine Einschlafgeschichte, die vom Einschlafen handelt. Auf der ersten Seite sehen wir ein kleines Häschen, das es sich in seinem Bett in einem »great green room« gemütlich gemacht hat. Auf den folgenden Seiten wird das Häschen allen und allem, was es umgibt, eine gute Nacht wünschen: Der Katze, der Maus, den Handschuhen, die zum Trocknen auf der Leine hängen, der Kuh, die auf einem Bild an der Wand so über eine Wiese springt, dass es aussieht, als springe sie gleich auch über den Mond. Dem Kamm, der Bürste, und irgendwann vor lauter Schlaftrunkenheit auch »niemandem«. Am Ende sind alle selig eingeschlummert, wahrscheinlich auch der draußen hell leuchtende Mond und die Sterne; es wird still, alles ist gut, alles schläft.
Doch was, wenn es mal nicht gelingt? Theodor Fontane schrieb in einem Gedicht.

Nun trifft es mich, wie’s jeden traf,
Ich liege wach, es meidet mich der Schlaf,
Nur im Vorbeigehen flüstert er mir zu:
»Sei nicht in Sorg, ich sammle deine Ruh,
Und tret ich ehstens wieder in dein Haus,
So zahl ich alles dir auf einmal aus.«


Wenn es so ist, dass sich der Körper den Schlaf zurückholt, dann ist alles gut, vielleicht war es einfach nur eine schlechte Nacht oder deren zwei, drei oder mehr. Was aber, wenn man nichts zurückbekommt?

Autor

Prof. Dr. Ingo Fietze, geboren 1960, ist Oberarzt für Innere Medizin an der Berliner Charité, wo er das Interdisziplinäre Schlafmedizinische Zentrum leitet. Er gehörte viele Jahre zum Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin und ist jetzt Vorsitzender der Deutschen S [...]

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Presse

Deutsche Welle

»Ingo Fietze gehört zu den international bekanntesten Schlafforschern.«