Verlagsnotiz vom 15.02.16
Kein & Aber

Kein & Aber auf Hexenjagd

Ein Betriebsausflug in das Schiffbau stand auf der Agenda des Kein & Aber-Verlags, inklusive einer Führung und dem Besuch des Stücks „Hexenjagd“ von Arthur Miller. Hexerei, Teufelsaustreibung, Lügen, Denunziationen! Das Stück hat es in sich und ist somit genau das richtige Pulver für den Feierabend.


Mit etwas Verspätung (wieso haben wir eigentlich nicht den Bus genommen?) kommen wir in der ehemaligen Industriehalle an, und die freundlich-fröhliche Barbara Higgs empfängt uns zur Führung durch das imposante Gebäude. Wie spät ist es?
 


Äh, ah ja, Zeit genug also für die Werkstatt der Schreiner, die der Schlosser, der Maler, der Näher, der Schminker, der Bärteknüpfer, ein kurzer Blick in die Requisite – wer hat all diese Flaschen ausgetrunken? – und schon stehen wir wieder unter Zeitdruck, sind aber mehr als beeindruckt von den Dimensionen des Geländes.
 


Das Thema des Stücks aufgreifend, versucht sich der Kantinenkoch in Exorzismus durch scharfes Essen, doch der sehr feine Wein lässt die bösen Geister direkt wieder in unsere Körper einfahren. Wir möchten uns bei irgendjemandem bedanken, und zum Glück hängen in den labyrinthischen Gängen Telefone, bei denen sich sowohl große als auch kleine Leute festhalten können.
 


Das Stück beginnt und unterhält uns furios. Sätze wie „Dass jemand Bücher liest, heißt nicht zwangsläufig, dass diese Person eine Hexe ist“ möchten wir gerne unterschreiben, aber wir lassen es, denn so ganz sicher sind wir uns dann auch nicht mehr, was wohl auf die überzeugende Leistung der Schauspieler zurückzuführen ist. Oder auf die körperlichen Qualen, denn 3,5 Stunden auf harten Kirchenbänken, da werden selbst die kichernden Schulklassen hinter uns irgendwann beängstigend ruhig.

Das Stück endet mit einem Feuerwerk an Hinrichtungen (Spoiler), wir holen unsere Jacken aus der Garderobe und meinen gerade noch zu sehen, wie der eine oder andere Mitarbeiter auf seinem Besen in die Nacht verschwindet. Wir danken Barbara Higgs und dem Schauspielhaus Zürich für diesen magischen Abend, und auf unseren verdammten Seelen brennt am Ende nur noch eine einzige Frage: