Chris Nolde – Tipps und Tricks für angehende Schriftsteller, 15.02.16
Chris Nolde

Man lernt ja so viel aus dem Scheitern – und andere Klischees der Schriftstellerei

- von Max Baum


Aufmerksamkeit ist ein rares Gut in Zeiten von photogeshoppten Urlaubsfotos und Catcontent, deshalb werde ich versuchen, niemandem die Zeit zu stehlen.

Ich heiße Max Baum, ich bin der Protagonist aus Chris Noldes Roman Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel, und ich erzähle euch ein wenig von den Ursprüngen des Romans und den Höhen und Tiefen der Schriftstellerei. Dazu müssen wir zunächst einen Blick werfen auf die Zeit, in der das Schreiben mein Beruf geworden ist.

Im Alter von zwanzig bis dreißig habe ich dabei vier Phasen durchlebt. Vielleicht wird sich der eine oder andere darin wiederfinden, ansonsten wisst ihr ja, wie ihr wütende Kommentare unter dem Text hinterlassen könnt.

1. Ich will so gern
Ich wünschte, ich hätte diese Phase überspringen können, dann wäre mein Autorengewissen um ein paar streng geheime Schubladen leichter.
Wohlwollend könnte man diese Phase als Sturm und Drang-Episode entschuldigen, aber eigentlich handelt es sich bloß um eine Zeit der kitschigen Herzensergüsse und pubertären Weltfluchteskapaden. Man redet sich ein, dass die Schriftstellerei das eigene Schicksal ist, und Ideen werden lieber ausdiskutiert als aufs Papier gebracht – dort klingen sie nämlich plötzlich viel weniger weltverändernd als im eigenen Kopf.
 

2. Ich könnte ja mal
Jedes Buch, das man liest, hinterlässt Spuren im Text. Nach einem Pynchon muss das eigene Buch ein vielschichtig komponiertes Rätselwerk werden. Nach einem Eichendorff wundert man sich am nächsten Tag über den antiquierten Wortschatz im eigenen Text. Nach Hesse will man plötzlich den Sinn des Lebens in den kleinen Dingen suchen, und natürlich will man auch den Poproman der Generation Y schreiben oder einen psychologischen Krimi, aber Absurdes und Existenzialistisches muss da auch noch mit hinein. Wie viele verschiedene Schriftsteller war ich in dieser Phase?

3. Ich werde, und wie!
Diese Phase schreit laut: „Dichter oder gar nichts!“ Nach dem Studiumsabbruch samt dem Entschluss, es wirklich zu versuchen, habe ich mir Vorbilder gesucht. Wenn Bukowski es geschafft hat, Jobs wie Postbeamter und Hafenarbeiter mit dem Schreiben zu verbinden, schaffe ich das auch. Kein Klischee wird ausgelassen. Die erste noch halbwegs funktionstüchtige Schreibmaschine wird gekauft, eine Pfeife gehört zu den Schreibutensilien, und das harte, wilde, Leben muss gefühlt und erschrieben werden. Misserfolge werden als heroische Niederlagen im großen Kampf stilisiert. Zweifelsohne bin ich dankbar für diese Zeit, da ich ansonsten auch um eine Reihe von Jobs ärmer wäre wie: Rezeptionist, Nachtwächter, Antiquar, Weihnachtsmann, Maskottchen oder Campingplatzmitarbeiter. Also ehrlich: Was wäre die Kunst ohne Imitation!
 

4. Na gut, ich tus eben

Die ersten Niederlagen und Absagen wurden verdaut. Man hat begriffen, dass es genügend Schriftsteller auf der Welt gibt und sie auch gut ohne einen auskäme. Das Schreiben wird zur täglichen Arbeit, mit Hochs und Tiefs, die man inzwischen richtig einzuordnen weiß. Still und heimlich ergötzt man sich natürlich an den narzisstischen Höhenflügen, den orgiastischen Schreibtischnächten, den glühenden Tasten, dem himmlischen Paukenschlag beim Beenden eines Manuskripts. Verdammt noch mal, habe ich denn aus den vier Phasen nichts gelernt?

Im nächsten Beitrag wird es ein wenig konkreter, da gibts ungefragt ein paar Tipps für angehende Schriftsteller, und im Dritten werde ich dann auch geschickt und unterschwellig ein wenig Werbung fürs Buch machen. Das habe ich mit diesem Beitrag natürlich nicht getan, der ist aus reinem Wohlwollen für die Kein & Aber-Plus-Leser entstanden.

Grüße

Euer Max Baum