Crazy Rich Problems

Kevin Kwan

»Es will doch keiner hören, dass wir Probleme haben. Wir sind zu reich für Probleme.«

Nicks Großmutter und schwerreiches Familienoberhaupt Su Yi liegt im Sterben. Um sich von ihr zu verabschieden, reist er nach Singapur – zurück in die Welt der Superreichen, in der einem täglich die Schnürsenkel gebügelt werden, in der man seine Koi-Fische zum Schönheitschirurgen bringt und in der mit allen Mitteln um das ausstehende Milliardenerbe gekämpft wird.

Format

  • Kevin Kwan – Crazy Rich Problems
    Roman

    Original: Rich People Problems

    Aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn, Jenny Merling
    Flexcover
    Format: 11,6 x 18,5 cm , 608 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-5806-4

    11. Februar 2020
    22,00 EUR

  • Kevin Kwan – Crazy Rich Problems
    Roman

    Original: Rich People Problems

    Aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn, Jenny Merling
    Ebook
    608 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-9423-9

    17,99 EUR

Leseprobe

PROBLEM NR. 1


Wenn im besten Restaurant der Trauminsel, auf der man ein Strandhaus besitzt, der Lieblingsplatz besetzt ist.


HARBOUR ISLAND, BAHAMAS, 21. JANUAR 2015


Bettina Ortiz y Meña war es nicht gewohnt, warten zu müssen. Die stark gebräunte Blondine war ehemalige Miss Venezuela (und Zweitplatzierte bei der Wahl zur Miss Universum bitte schön) und inzwischen Ehefrau des Autoteile-Tycoons Herman Ortiz y Meña aus Miami, und wenn sie ein Restaurant mit ihrer Anwesenheit beglückte, wurde sie normalerweise überschwänglich begrüßt und sofort zu dem Tisch geführt, an dem sie sitzen wollte.
Heute hatte sie sich im Sip Sip, ihrem Lieblingsrestaurant auf Harbour Island, einen Ecktisch auf der Terrasse ausgeguckt. Genau dort wollte sie es sich auf dem orangen Regiestuhl bequem machen und ihren Grünkohl-Caesar-Salad mit Blick auf die sanften türkisfarbenen Wellen genießen. Leider hatte jedoch eine laute Touristengruppe die gesamte Terrasse besetzt und schien auch nicht so bald gehen zu wollen.
Bettina bedachte die Leute, die sich da fröhlich ihr Mittagessen im Sonnenschein schmecken ließen, mit wütenden Blicken. Wie billig die alle wirkten … die Frauen viel zu braun gebrannt und faltig, keine einzige war vernünftig geliftet oder gebotoxt. Sie hatte nicht übel Lust, einen Stapel Visitenkarten ihres Hautarztes dazulassen. Und die Männer erst! Alle trugen sie zerknitterte Hemden und Shorts, und dann auch noch diese Strohhüte aus dem Souvenirladen auf der Dunmore Street. Was hatten solche Leute hier verloren?
Das knapp fünfeinhalb Kilometer lange Paradies mit dem hellrosa Sandstrand, den hübschen Holzhäuschen in Sorbetfarben, herrlichen Boutiquen, schicken Villen mit Meerblick, die zu Pensionen umgebaut worden waren, und Fünf-Sterne-Restaurants, die denen auf St. Barths in nichts nachstanden, war eins der bestgehüteten Geheimnisse der Karibik, ein friedlicher Rückzugsort für die absolut Superreichen. Touristen müssten erst mal eine Stilprüfung bestehen, bevor sie auf die Insel gelassen wurden!
Bettina fand, sie habe nun lange genug gewartet, und stürmte in die Küche, um ihrem Unmut gegenüber Restaurantbesitzerin Julie Luft zu machen. Die Fransen ihres Pucci-Häkelkaftans wippten empört.
»Was ist denn heute hier los, Süße?«, fragte sie die Frau mit dem blonden Pixie, die am Herd stand. »Ich warte jetzt schon seit einer Viertelstunde auf meinen Tisch!«
»Sorry, Bettina, ist eben manchmal so. Die zwölfköpfige Gruppe da draußen ist kurz vor dir aufgetaucht.« Julie reichte einem Kellner eine Schale scharfes Meeresschneckenchili.
»Aber auf der Terrasse gibts die besten Plätze! Wieso hast du diese Touristen da überhaupt hingelassen?«
»Weil der Tourist mit dem roten Anglerhut der Herzog von Glencora ist. Er ist gerade mit seinen Freunden vom Windermere rübergekommen. Die Royal-Huisman-Jacht, die vor der Küste vor Anker liegt, ist seine. Die ist übrigens richtig schick.«
»Mit Schiffen kann man mich nicht beeindrucken«, gab Bettina zurück. Von dem Titel jedoch war sie durchaus beeindruckt und sah die Gruppe jetzt in völlig anderem Licht. Schon komisch, diese britischen Adligen. Die waren einfach eine Klasse für sich. Einerseits rannten sie in Savile-Row-Anzügen herum und trugen im Alltag teuren Erbschmuck, im Urlaub war andererseits leger schon gar kein Ausdruck mehr. Erst jetzt fielen ihr drei durchtrainierte, sonnengebräunte Männer in weißen, eng anliegenden T-Shirts und schwarzen Kevlar-Hosen am Nebentisch auf. Sie aßen nichts, hatten lediglich ein Glas Wasser vor sich und sahen sich die ganze Zeit aufmerksam um.
»Das sind bestimmt die Sicherheitsleute vom Herzog, hm? Offensichtlicher gehts ja wohl kaum. Wissen die etwa nicht, dass hier auf Briland eh nur Milliardäre wohnen?¹ So was von unnötig.«
»Nee, das sind die Bodyguards vom Ehrengast des Herzogs «, erklärte Julie. »Die haben mir vor seiner Ankunft das komplette Restaurant durchsucht, sogar den Kühlraum. Guck mal, der Chinese da am Tischende …«
Bettina spähte über den Rand ihrer Dior-Sonnenbrille zu dem rundlichen Mann hinüber – Mitte siebzig, beginnende Glatze, Golfer-Outfit. »Sehe ich. Und, muss man den kennen?«
»Das ist Alfred Shang«, flüsterte Julie.
Bettina kicherte. »Sieht aus wie ein Chauffeur. Wie dieser Typ aus Falcon Crest, der Jane Wyman rumgefahren hat.« Julie, die gleichzeitig versuchte, ein Thunfischsteak à point zu braten, schüttelte nur den Kopf. »Dieser Chauffeur ist angeblich der mächtigste Mann in ganz Asien.«
»Wie heißt der noch mal?«
»Alfred Shang. Kommt aus Singapur, wohnt aber die meiste Zeit in England auf einem Anwesen, das so groß wie halb Schottland sein soll.«
»Ich hab den Namen jedenfalls noch nie auf einer Liste der reichsten Asiaten gesehen«, erwiderte Bettina verächtlich.
»Ist dir nicht klar, dass es Leute gibt, die viel zu reich und zu mächtig sind, um auf so einer Liste aufzutauchen?«


1 Leicht übertrieben, die von den Einheimischen liebevoll »Briland« genannte Insel ist Heimat von zwölf Milliardären (zumindest nach neuester Zählung und je nachdem, wen man fragt).


PROBLEM NR. 2


Wenn man seinen Privatarzt braucht, dem man eine Million Dollar pro Jahr zahlt, damit er einem rund um die Uhr zur Verfügung steht, er aber gerade mit einem anderen Patienten beschäftigt ist.


Alfred Shang genoss die fantastische Aussicht von der Restaurantterrasse und ließ den Blick über den berühmten Strand von Harbour Island schweifen. Der Sand ist tatsächlich rosa!
»Alfred, deine Hummer-Quesadillas werden kalt«, riss der Herzog von Glencora ihn aus seinen Gedanken.
Alfred betrachtete skeptisch die kunstvoll angerichteten dreieckigen Dinger auf dem Teller vor sich. Er war eigentlich kein großer Fan der mexikanischen Küche, außer wenn sein Freund Slim in Mexico City für ihn kochte. »Und die sind also der Grund dafür, dass du mich hergeschleppt hast?«
»Jetzt probier sie doch erst mal.« Alfred biss vorsichtig in eine Quesadilla und sagte nichts mehr. Die Mischung aus Tortilla, Hummer und Guacamole war perfekt.
»Köstlich, nicht? Ich versuche den Koch im Wilton’s schon seit Jahren zu überreden, die mal nachzukochen.«
»Im Wilton’s hat sich seit einem halben Jahrhundert nichts geändert. Ich glaube nicht, dass die auf einmal ihre Speisekarte erweitern.« Alfred lachte und steckte sich schnell ein Stück Hummer in den Mund, das auf den Tisch gefallen war. Das Handy in seiner Hosentasche vibrierte. Er sah genervt aufs Display. Dass er während seines alljährlichen Angelausflugs mit dem Herzog nicht gestört werden wollte, war eigentlich allseits bekannt.
TYERSALL, OBEN, SICHERE LEITG., zeigte das Handy an. Das war seine ältere Schwester Su Yi, die Einzige, deren Anruf er immer entgegennahm. Er ging sofort dran. Doch die Stimme, die sich auf Kantonesisch meldete, gehörte nicht Su Yi: »Mr Shang, hier ist Ah Ling.«
Es dauerte einen Moment, bis der Groschen fiel. Es war die Haushälterin von Tyersall Park. »Ach, hallo, Lingze¹.«
»Die gnädige Frau hat mich gebeten, Sie anzurufen. Es ging ihr vorhin sehr schlecht, sie musste ins Krankenhaus. Wir glauben, sie hatte einen Herzinfarkt.«
»Was soll das heißen, ›Sie glauben‹? Hatte sie einen oder nicht?« Alfreds gepflegtes BBC-Englisch war erschrockenem Kantonesisch gewichen.
»Sie hatte keine Schmerzen in der Brust, aber sie hat sehr stark geschwitzt und musste sich übergeben. Und sie meinte, sie hätte Herzrasen«, antwortete Ah Ling nervös.
»War Professor Oon schon da?«
»Ich habe den Doktor auf dem Handy angerufen, aber da geht gleich die Mailbox dran. Dann habe ich es auf dem Festnetz versucht, und da wurde mir gesagt, dass er gerade in Australien ist.«
»Wieso telefonieren Sie eigentlich herum, wo ist denn Victoria?«
»Ist Victoria nicht in England, Mr Shang?«
Alamak. Er hatte völlig vergessen, dass seine Nichte, Su Yis Tochter, die ebenfalls in Tyersall Park wohnte, zu Besuch bei seiner Frau und seiner Tochter in Surrey war (und die drei sich garantiert gerade gemeinsam in genüsslichem Lästern ergingen).
»Und Felicity? Kann die nicht vorbeikommen?« Su Yis älteste Tochter wohnte nicht weit entfernt in der Nassim Road.
»Wir haben Mrs Leong nicht erreicht. Ihre Bedienstete meinte, sie wäre in der Kirche, und im Haus Gottes schaltet sie ihr Handy immer aus.«
Eine nichtsnutziger als die andere! »Haben Sie wenigstens einen Krankenwagen gerufen?«
»Das wollte die gnädige Frau nicht. Vikram hat sie, ihre Zofen und zwei Gurkhas mit dem Daimler ins Krankenhaus gefahren. Sie hat zu mir gesagt, Sie wüssten, wie Professor Oon zu erreichen sei.«
»Alles klar, ich kümmere mich darum.« Alfred legte auf. Der gesamte Tisch sah ihn erwartungsvoll an.
»Herrje, das klang ernst.« Der Herzog verzog besorgt das Gesicht. »Entschuldigt mich bitte kurz, ich bin gleich wieder da.« Alfred erhob sich. Sofort setzten sich auch die Bodyguards in Bewegung und begleiteten ihn durch das Restaurant hinaus in den Garten.
Alfred tippte eine Kurzwahltaste: prof oon festnetz. Eine Frau nahm ab.
»Olivia? Hier ist Alfred Shang.«
»Ach, du willst sicher Francis sprechen?«
»Genau. Ich habe gehört, er ist in Australien?« Wieso zahlen wir dem eigentlich eine Million Dollar im Jahr, wenn er im Notfall nicht da ist?
»Ja, er ist vor einer Stunde los Richtung Sydney. Er soll da morgen diesen einen Schauspieler operieren, dreifacher Bypass. Wie heißt der noch mal, der hat damals einen Oscar für –«
»Also sitzt er gerade im Flugzeug?«
»Ja, aber er kommt in ein paar Stunden an, dann kann er dich zurückrufen.«
»Gib mir einfach die Flugnummer«, fauchte Alfred. Er drehte sich zu seinen Bodyguards um. »Wer hat das Singapur- Handy? Ich muss sofort mit Istana² sprechen. Und ich will noch so einen Teller Hummer-Quesadillas, aber pronto. «


1 Kantonesisch für »große Schwester«, eine Art Kosename für Bedienstete (so wie man im Englischen Namen manchmal ein liebevolles »Boy« hinzufügt wie in Sonny Boy oder Johnny Boy).
2 »Palast« auf Malaiisch. Alfred meint hier den Istana in Singapur, die offizielle Residenz des Präsidenten.

Autor

Kevin Kwan wurde 1973 in Singapur geboren und zog als Kind mit seiner Familie in die USA. Von der TIME wurde er auf die Liste ...

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Presse

Ruhr Nachrichten

»Eine kurzweilige, amüsante Reise in die Welt der Reichen.«

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

»Der feine und ironische Ton ist nicht nur lustig. Man lernt nebenbei auch noch eine Menge über die Geschichte Singapurs und seine Rolle als ehemalige Kolonie im Commonwealth.«

Neue Presse

»Lustig und listig.«

Kurier

»Es sind die Dialoge, die die Handlung vorwärts treiben. Man muss sich nicht genieren, wenn man sich gut unterhält.«