Das Buch der seltsamen neuen Dinge

Michel Faber

Ein monumentales, jedem Genre trotzendes Meisterwerk eines Weltautors auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Michel Faber ist eine unvergessliche Liebesgeschichte gelungen, mit einem einzigartigen Setting und einer emotionalen Präzision, die direkt ins Herz fährt.

Ich bin bei dir alle Tage bis ans Ende der Welt. Der junge Pastor Peter Leigh wird auf die Reise seines Lebens geschickt – nur darf seine Frau Bea ihn nicht begleiten. Um in Kontakt zu bleiben, schicken sie sich Briefe. Doch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit musste eine Liebe eine derart große Distanz überbrücken.

Format

  • Michel Faber – Das Buch der seltsamen neuen Dinge
    Roman

    Original: The Book of Strange New Things

    Aus dem Englischen von Malte Krutzsch
    Hardcover
    Format: 12,5 x 19,0 cm , 688 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-5779-1

    16. März 2018
    25,00 EUR

  • Michel Faber – Das Buch der seltsamen neuen Dinge
    Roman

    eBook
    688 Seiten
    ISBN: 978-3-0369-9386-7

    16. März 2018
    20,99 EUR

Leseprobe

 

1   Vierzig Minuten später war er in den Wolken

 

»Ich wollte noch was sagen« , sagte er.

»Dann sag es« , erwiderte sie.

Er schwieg und behielt die Straße im Blick. In der Dunkelheit am Stadtrand war nichts zu sehen außer den Rücklichtern anderer Wagen in der Ferne, dem endlos abrollenden Asphaltstreifen, dem riesigen, zweckbestimmten Zubehör einer Autobahn.

»Gott ist vielleicht enttäuscht, dass ich das überhaupt denke« , sagte er.

»Er weiß es so oder so schon« , seufzte sie. »Da kannst du es mir ruhig sagen.«

Er schaute ihr ins Gesicht, um zu sehen, aus welcher Stimmung heraus sie das gesagt hatte, doch die obere Hälfte ihres Kopfs einschließlich der Augen lag im Schatten des getönten Rands der Windschutzscheibe. Die untere Hälfte ihres Gesichts war mondhell. Der Anblick ihrer Wange, ihrer Lippen, ihres Kinns – so vertraut, so sehr Teil des Lebens, wie er es kannte – versetzte ihm bei dem Gedanken, sie entbehren zu müssen, einen scharfen Stich.

»Mit künstlicher Beleuchtung sieht die Welt netter aus«, sagte er.

Sie fuhren schweigend weiter. Radiogeschnatter oder Berieselung durch Musik vom Band ertrugen sie beide nicht. Auch darin passten sie zueinander.

»Wars das ?« , fragte sie.

»Ja. Was ich damit sagen will … die unberührte Natur gilt doch als das Nonplusultra und alles vom Menschen Geschaffene als Schande, weil er alles nur zumüllt. Aber wir hätten nicht halb so viel Spaß an der Welt, wenn wir – wenn der Mensch … die Menschheit, meine ich …«

(Mach schon, besagte ihr Brummen.)

»… wenn wir nicht alles mit künstlichem Licht versehen hätten. Elektrisches Licht ist wirklich ein Gewinn. Es macht Nachtfahrten wie diese erträglich. Schön sogar. Stell dir doch mal vor, wir müssten hier im Stockdunkeln fahren. Denn das ist ja der natürliche Zustand der Welt bei Nacht, oder? Völlige Dunkelheit. Stell es dir nur mal vor. Du hättest keine Ahnung, wo es langgeht, könntest höchstens ein paar Meter weit sehen. Ganz schön stressig. Und wolltest du zu einer Stadt – na, in einer nichttechnisierten Welt gäbe es wohl keine Städte –, aber wolltest du irgendwohin, wo andere Menschen leben, naturnah leben, vielleicht um ein paar Lagerfeuer herum … die würdest du erst sehen, wenn du wirklich da bist. Nichts wärs mit dem zauberhaften Anblick, den dir eine Stadt aus ein paar Kilometern Entfernung bietet mit ihrem Lichtergefunkel, wie Sterne über den Bergen.«

»Mhm.«

»Und im Auto selbst … oder in der Pferdekutsche, falls es in dieser natürlichen Welt keine Autos gäbe, wäre es auch stockdunkel. Und in einer Winternacht sehr kalt. Was aber haben wir hier?« Er nahm eine Hand vom Steuer (beim Fahren hielt er beide Hände immer symmetrisch am Lenkrad) und wies auf das Armaturenbrett. Die üblichen Lämpchen strahlten sie an. Temperatur. Uhrzeit. Kühlwasser. Öl. Tempo. Tankanzeige.

»Peter …«

»Schau mal da !« Mehrere Hundert Meter voraus stand eine kleine überladene Gestalt im Schein einer Laterne. »Ein Anhalter. Den nehmen wir mit, ja ?«

»Nein.«

Ihr Tonfall hielt ihn davon ab, ihr zu widersprechen, so selten sie auch eine Gelegenheit ausließen, sich Fremden gegenüber freundlich zu zeigen.

Der Anhalter hob hoffnungsvoll den Kopf. Als ihn die Scheinwerfer erfassten, wurde aus der schemenhaften menschlichen Erscheinung sekundenlang eine erkennbare Person. Er hielt ein Schild mit der Aufschrift HETHROW hoch.

»Seltsam« , meinte Peter im Vorbeirauschen. » Er könnte doch einfach die U-Bahn nehmen.«

»Letzter Tag auf der Insel« , sagte Beatrice. »Letzte Gelegenheit, was zu erleben. Wahrscheinlich hat er sein britisches Geld in einer Kneipe aufgebraucht und gedacht, ich brauch ja bloß noch genug für die Bahn. Sechs Gläser später steht er im Freien und stellt ernüchtert fest, dass er nur noch sein Flugticket und ein Pfund siebzig hat.«

Es klang plausibel. Warum dann aber so ein verlorenes Schaf in der Patsche sitzen lassen ? Das sah Bea nicht ähnlich.

Er wandte sich wieder ihrem halb im Dunkeln liegenden Gesicht zu und sah zu seiner Bestürzung, dass an ihrem Kinn und ihren Mundwinkeln Tränen glitzerten.

»Peter…«, sagte sie.

Wieder nahm er eine Hand vom Steuer, diesmal, um ihr die Schulter zu drücken. Weiter vorn hing ein Schild mit einem Flugzeugsymbol über der Fahrbahn.

»Das ist unsere letzte Gelegenheit, Peter.«

»Die letzte Gelegenheit ?«

»Uns zu lieben.«

Die Kontrolllichter blinkten sanft und machten tick-tick-tick, als Peter auf die Fahrspur Richtung Flughafen lenkte …

Autor

Michel Faber ist 1960 in den Niederlanden geboren und lebt heute in England. Er ist Autor von neun Romanen, darunter Die Weltenwanderin (verfilmt als Under the Skin) sowie Das karmesinrote Blütenblatt. Sein neuester Roman Das Buch der seltsamen neuen Dinge wurde vom New Yorker als eines der besten B [...]

mehr zum Autor

Presse

Frizz

»Das ist so traurig, dass es wehtut.«

BuchMarkt

»Eine geniale Mischung aus Science-Fiction-Abenteuer und dem Porträt einer Ehe auf Distanz. Voller Fantasie, kluger Gedanken und heller Einsichten«

radio eins

»Das ist ein intensives, großartiges Buch.«

Neue Westfälische

»Ein vielschichtiges Meisterwerk. Eine Liebesgeschichte, so fantasievoll eigenwillig, herzzerreissend und spannend, dass man sich in das Buch verliebt.«

Buchkultur

»Eine zeitlose Liebesgeschichte.«

NZZ am Sonntag

»Ein dichter, tiefgründiger Roman.«

Literaturkurier

»Ein anspruchsvolles, kluges Buch, das in jedem Kapitel überrascht, das spannend erzählt ist und voller „seltsamer neuer Dinge“ steckt. Grandios!«

Welt am Sonntag

»Es gibt nichts was das alle Genregrenzen sprengende Buch von Michel Faber nicht ist.«

Brigitte

»Ein berührendes Buch über große Liebe, Sehnsucht und Verlust.«

Cosmopolitan

»Ein bewegender Roman über den Abschied.«

Deutschlandfunk Kultur

»Faber hat ein Stück Literatur geschaffen, das so ungewöhnlich, so klug und so liebenswert ist, dass man sich – wie Peter auf seiner Mission – nur allzu gern darin verliert.«

stern

»Ein herzzerreissender Roman.«

Focus

»Welch traurig-schöner Roman.«

VOGUE

Ein berührender Roman.

Neue Ruhr Zeitung

»Eine dramatische Liebesgeschichte. Ein Buch in dem der Leser verloren gehen kann in den Weiten seines Universums.«

ntv

»Eine berührende Reflexion über Liebe auf Entfernung.«

DIE ZEIT

»Furios. Lesend bei sich sein und doch nicht von dieser Welt - das ging lang nicht so gut wie mit diesem Roman.«

Nürnberger Zeitung

»Dieser Roman entzieht sich jeder Definition - sondern versinkt komplett in der Geschichte von Glaube und Liebe. Ein Buch, das über Lichtjahre hinweg funkelt.«

Die Presse

»Eine ausufernde Empfehlung.«

Clemens J. Setz (Indigo)

»Der bewegendste Abschiedsroman, den ich je gelesen habe.«

David Mitchell (Der Wolkenatlas)

»Ein Meisterwerk – wahnsinnig fesselnd.«

emotion

»Schmerzhaft schön!«

Österreich 1

»Ein alle Grenzen sprengendes Buch.«

David Benioff (Game of Thrones)

»Verzweifelnd schön, traurig und unvergesslich.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Das ist er, der eine Roman, auf den Sie gewartet haben.«

SPIEGEL Online

»Das Buch der seltsamen neuen Dinge ist ein durch und durch besonderes Buch und eine ungeheuer intensive Leseerfahrung.«

Falter

»Eine der bewegendsten Liebesgeschichten der letzten Jahre.«

radio bremen

»Eine haltlose, uneingeschränkte Empfehlung.«

Yann Martel (Schiffbruch mit Tiger)

»Der Roman ist ein einziges Wunder.«

ELLE

»Ein wunderbar mysteriöser Mix aus Science-Fiction-Roman und Liebesgeschichte.«

Kurier

Die Expedition ist das aktuell größte Abenteuer, das man im Buchhandel bekommt. Das ist Zauberei. Das ist mächtige Literatur.«